Sind die Deutschen zum Sex mit ihren Partnern unfähig?

Wir  steuern auf eine Masturbationsgesellschaft zu!


 


Plakat zu "Oswalt Kolle: Dein Mann - das unbekannte Wesen", BRD 1969, R.: Werner M. Lenz
Quelle: www.deutsches-filminstitut.de
Das zumindest glaubt Oswald Kolle, legendärer Sexaufklärer der 60er Jahre, der mit Filmen wie „Das Wunder der Liebe“ und ähnlichem für Furore gesorgt hat. Jetzt macht sich der Sexprofessor grosse Sorgen um Deutschlands Männer, wie er der Frauenzeitschrift Woman anvertraute.

Deutschlands berühmtester Aufklärer Oswalt Kolle sorgt sich um das Liebesleben der Deutschen. Laut Kolle würden immer mehr Männer dank Internet lieber Pornos downloaden als eine Partnerin suchen. Kolle: "Wir steuern auf eine Masturbationsgesellschaft zu."

Durch das Internet habe Pornografie eine andere Qualität und vor allem Quantität bekommen, sie sei so leicht zugänglich wie nie. So sagte Oswald Kolle der Frauenzeitschrift "Woman": "Ich mache mir Sorgen um Männer, die mit runtergelassener Hose vor dem PC sitzen, schnell per Mausklick ihre Befriedigung bekommen und kein Interesse mehr an Partnerschaft haben!"

Es gebe Websites, so Kolle, die einen Orgasmus in 30 Sekunden versprechen. Solche Garantien gibt es im echten Leben nicht. Oswald Kolle in Woman: "Viele Männer verlieren das Interesse daran, rauszugehen und zu verführen oder verführt zu werden. Warum sollten sie auch, wenn sie schon befriedigt sind?"

Die Zeitschrift "Woman" berichtet ausserdem, dass Forscher der Uni Bonn herausfanden, dass 90 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen sich regelmäßig selbst befriedigen. Eine Untersuchung der Uni Hamburg verzeichnete in den vergangenen 30 Jahren bei Männern einen Anstieg von 22 Prozent, bei Frauen sogar um 50 Prozent.

Es sei illusorisch sich in die Vorstellung zu retten, ungezügelte Web-Pornografie habe keinen Einfluss auf eine Beziehung. Der bekannte Heidelberger Paartherapeut Ulrich Clement warnt: "Das Internet kann zu einem Fluchtbereich für Männer werden. Sie schaffen sich eine Welt jenseits der Partnerschaft."

Eine weitere alarmierende Aussage vor dem Hintergrund, dass 33 Prozent aller deutschen Männer regelmäßig Internet-Sexsites ansteuern und geschätzte 30 000 Deutsche süchtig nach Web-Pornos sind. Deutsche Männer ziehen einen Porno immer häufiger dem Partner vor.
Die eigentlich vorgesehene Lust, das andere Geschlecht für sich zu interessieren und auch sich von ihm verführen zu lassen, gehe mehr und mehr leichthin verloren, so der 76-jährige Aufklärer aus den 1960er-Jahren.

Oswald Kolle erwarb sich grosse Verdienste um eine Liberalisierung des Sexualstrafrechts. Heute kaum mehr vorstellbar, aber damals durch Gesetze geregelt: Das Liebesleben der Deutschen. Ein Klaus Wowereit mit seinem Auspruch: „Ich bin schwul und das ist gut so“ wäre sofort im Gefängnis gelandet. Die Adenauer-Ära war geprägt von Prüderie. Damals galt noch das 100 Jahre alte Sexualstrafrecht, nach dem jede Art von Sexualität außerhalb der Ehe als "Unzucht" unter Strafe gestellt wurde. Insgesamt 31 Paragraphen mit 190 Tatbeständen reglementierten das Sexualleben der Deutschen. Darunter fielen neben Straftaten wie Missbrauch von Minderjährigen oder Abhängigen auch beispielsweise "Kuppelei". Danach machte sich strafbar, wer Sex zwischen Nicht-Verheirateten ermöglichte. Dies betraf sowohl Hoteliers und Campingplatzbesitzer als auch Vermieter und Eltern. Kuppelei konnte mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft werden. 1972 wurde der sogenannte "Kuppeleiparagraph" abgeschafft. Das Sexualstrafrecht ahndete auch Sex zwischen Homosexuellen - mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren - oder die Werbung für Verhütungsmittel. Im Jahr 1949 wurde nicht der liberalere §175 der Weimarer Verfassung, sondern der von den Nazis 1935 verschärfte Paragraph in das Strafgesetzbuch der BRD aufgenommen. Entschärft wurde dieser Paragraph erst 1969. Es war nicht einfach, die allgemeine Prüderie zu durchbrechen. Dies erklärt auch, warum die Aufklärungswelle der 60er einen so großen Erfolg hatte.“


siehe auch: Wer zweimal mit derselben pennt - Prüderie und sexuelle Revolution







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