Gedächtnis - Mentale Fitness kommt nicht von allein

Dr. Willmar Schwabe
Immer mehr Menschen tun immer mehr für die körperliche Fitness – doch um ihre geistige Spannkraft kümmern sich bisher nur wenige. Aktiven Denksport oder ein regelmäßiges gezieltes Hirntraining betreibt bislang nur eine Minderheit. Doch die aktuellen Erkenntnisse der Wissenschaftler zeigen: Mentale Fitness ist nicht gottgegeben. Die persönliche Lebensführung und eine optimale Nährstoffversorgung haben erheblichen Einfluss darauf, ob die grauen Zellen bis ins hohe Alter voll funktionsfähig bleiben.


Dünger fürs Gehirn


Die Hirnforscher wissen heute, dass sich in unserem Kopf lebenslang ständig neue Nervenzellen bilden. Diese so genannten Neuronen sind ausgesprochen vielseitig und lernfähig – und sehr wahrscheinlich wesentlich für die erstaunlichen Leistungen unseres Gehirns verantwortlich. Die Neuronen reifen jedoch nur dann zu ausgewachsenen grauen Zellen heran, wenn sie richtig gefordert werden: Lernreize, Neugier, knifflige Probleme, Diskussionen und soziale Aktivitäten wirken wie „Dünger“ für das Oberstübchen.


Mangelt es dagegen an Anregungen, geht der Nachwuchs an Nervenzellen schon bald wieder ein. Mit zunehmendem Alter lässt dann die Kapazität des Gehirns allmählich nach – das Gedächtnis schwächelt, und die Schaltvorgänge im Schädel werden langsamer.


Trimmprogramm für den Kopf


Wie aber lassen sich die grauen Zellen effektiv trainieren? Eine Möglichkeit ist das so genannte Gehirnjogging: Gezielte Denkübungen fordern speziell die Neuronen heraus und binden sie in das komplexe Netzwerk der Nervenzellen ein. Anregungen zum Knobeln, logische oder mathematische Aufgaben und effiziente Trainingsprogramme finden sich in zahlreichen Büchern und im Internet.


Ein Trimmprogramm für den Kopf sollte aber nicht nur aus Denksportaufgaben bestehen. Noch viel wichtiger sind soziale Kontakte, aktive Hobbys, Wissbegier und Abwechslung. Versuchen Sie, die Routine des Alltags immer wieder zu durchbrechen – wählen Sie neue Wege, kochen Sie neue Rezepte, gehen Sie unter Leute, setzen Sie sich ins Theater statt vor den Fernseher, besuchen Sie die Volkshochschule.


Lernen Sie zum Beispiel ein Musikinstrument. Dabei bilden sich Verschaltungen im Gehirn, die auch andere geistige Fähigkeiten beflügeln. Oder machen Sie mit beim Amateur-Theater: Wer längere Texte auswendig lernt, stärkt ganz allgemein das Gedächtnis. Als hervorragendes Mental-Training gilt auch das Tanzen – wegen der besonders förderlichen Kombination aus Bewegung und Kommunikation.


Gutes für den Geist


Die geistige Leistungsfähigkeit lässt sich außerdem mit natürlichen Wirkstoffen steigern. Verschiedene Studien zeigten, dass zum Beispiel ein konzentrierter Ginkgo-Extrakt auch bei gesunden Menschen Gedächtnisleistung und Konzentration verbessern kann. Nach den bisherigen Erkenntnissen entfaltet Ginkgo seine Wirkung in erster Linie dadurch, dass er die Energieversorgung der grauen Zellen und die Fließeigenschaften des Blutes verbessert. Neueste Untersuchungen zeigen, dass sich die aktiven Inhaltsstoffe eines Ginkgo-Extrakts genau in jenen Hirnarealen anreichern, die von essenzieller Bedeutung für die Informationsverarbeitung, das Gedächtnis und alle Lernvorgänge sind.





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