Etwa ein Viertel aller verordneten Medikamente nehmen Patienten nicht oder nicht so wie vorgesehen ein. Non-Compliance nennen dies Apotheker, was so viel wie mangelnde Therapietreue bedeutet. Sie gehört zu den größten Problemen bei der Arzneimitteltherapie.
Je nach Krankheitsbild kann sich dadurch der Gesundheitszustand verschlechtern; es drohen Folgekrankheiten oder sogar die Einweisung in ein Krankenhaus. Die Kosten der Non-Compliance schätzen Experten für das deutsche Gesundheitswesen auf jährlich etwa zehn Milliarden Euro. »Verschiedene internationale Studien belegen: Apotheker können dazu beitragen, die Compliance zu verbessern«, sagte Apotheker Professor Dr. Ulrich Jaehde von der Universität Bonn auf einem internationalen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer.
Ob ein Patient vom Arzt verordnete und oft lebenswichtige Arzneimittel zuverlässig und langfristig einnimmt, hängt unter anderem vom Krankheitsbild ab und davon, wie oft man am Tag das Arzneimittel einnehmen soll. Die Non-Compliance tritt besonders bei Krankheiten wie Bluthochdruck auf, die einer langfristigen Therapie bedürfen und in den ersten Jahren kaum Leidensdruck erzeugen.
Apotheker fördern bereits heute zusammen mit anderen Heilberuflern die Compliance: An erster Stelle steht die Aufklärung der Patienten durch Information. »Das Lesen des Beipackzettels mit langen Listen von Nebenwirkungen beunruhigt viele Patienten. Wenn es dem Apotheker im Gespräch gelingt, den Patienten in verständlichen Worten vom Nutzen des Arzneimittels zu überzeugen, dann wird sich die Compliance verbessern«, so Jaehde.
Apotheker gelingt es in vielen Fällen, das Verhalten der Patienten zu beeinflussen oder ihnen zu helfen, die Arzneimitteleinnahme mit bestehenden Gewohnheiten zu verknüpfen. Jaehde: »Gegen Vergesslichkeit hilft zum Beispiel, wenn die morgendlichen Tabletten immer beim Kaffeekochen eingenommen werden. «
Zudem überprüfen Apotheker die Compliance derjenigen Kunden, die sich in eine Hausapotheke eingeschrieben haben. Der Apotheker kann mit dem Arzt über eine Therapieanpassung diskutieren. So lassen sich möglicherweise Medikamente, die zweimal täglich eingenommen werden müssen, durch andere ersetzen, bei denen die einmalige Einnahme ausreicht.
Magdalene Linz, Präsidentin der Bundesapothekerkammer: »Die besten Medikamente nutzen nichts, wenn sie nicht eingenommen werden. Um einen Patienten davon zu überzeugen, dass er seine Medikamente dauerhaft zuverlässig einnimmt, reicht die Bereitstellung von standardisierten Informationen, etwa im Beipackzettel, oft nicht aus. Deshalb ist das Beratungsgespräch in der Apotheke wichtig: Wir Apotheker filtern aus der Fülle der Informationen die für den einzelnen Patienten relevanten heraus.«