Wie kommt es zu Kinetosen?
Im menschlichen Innenohr ist nicht nur das Hörorgan angesiedelt, sondern auch ein System von 3 Bogengängen, die den Gleichgewichtssinn darstellen. Mit jeder Änderung der Körperlage wird dieser Gleichgewichtssinn aktiviert und steuert die Muskelspannung in der neuen Körperstellung. Dieser Gleichgewichtssinn wird im Gehirn mit anderen Sinneseindrücken gekoppelt.
Bewegung wird beispielsweise durch die Bogengänge, aber auch durch die Seheindrücke der Augen, die Hautreizung durch den Fahrwind, eventuell auch das Geräusch der Bewegung und die Signale aus der Muskulatur registriert.
Wenn es bei einer Reise (z.B. auf dem Schiff) zu einer zu starken Reizung des Gleichgewichtsapparates (heftige Bewegungen in verschiedenen Achsen) kommt oder das Gehirn unterschiedliche Informationen von den verschiedenen Sinnesorganen erhält, dann "brennt" gleichsam die Signallampe durch. Beispielsweise können die Bogengänge des Gleichgewichtssinnes eine schwankende Bewegung auf dem Schiff signalisieren. Die übrigen Körperempfindungen melden aber Unbeweglichkeit (die Muskeln werden ja nicht wie beim Gehen aktiviert), und die Augen erkennen vielleicht eine Auf- und Abbewegung am Horizont. Diese Meldungen passen nicht zu einander. Es kommt gleichsam zum "Absturz" des körpereigenen "Computers". Bewegung und gleichzeitig Stillstand - das vermag das Gehirn nicht zu deuten und nicht in Einklang zu bringen. Die Folge sind die bekannten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kreislaufstörungen (Blutdruckabfall), Appetitmangel, Durchfälle, Schweißausbrüche, Erregung oder völliges Abschlaffen. Gerüche, schlechte Belüftung und negative Stimmungslage (Ängste) können diese Fehlsteuerung noch verstärken. Oft geht diese "harmlose" Störung mit hochgradigem Krankheitsgefühl einher.
