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EDITORIAL
Die indische Sanskrit-Literatur lässt sich wissenschaftlich bis 1500 vor Ch zurückverfolgen. Die ältesten Schriften bilden dabei die Veden, heilige Schriften, in denen die Wirksamkeit göttlicher Kräfte von Heilern und Sehern dargelegt wurden. „Auf diesen Texten der heiligen Offenbarung (Veda) und der sich ihnen anschliessenden autoritativen Überlieferung (Smriti) fusst die Welt und Lebensanschauung des klassischen Hinduismus, wie sie von Dichtern und Philosophen im einzelnen ausgebildet worden ist (Helmuth von Glasenapp, Indologe).“
Bereits die Romantiker haben den Versuch unternommem( „ Über die Sprache und Weisheit der Indier“, Friedrich von Schlegel, 1808), den Deutschen indische Philosophie und Lebensweisheiten näher zu bringen. Auch Goethe verewigte in Gedichten Weisheiten Indiens. Das Indienbild insgesamt wurde von den Romantikern jedoch sehr einseitig geprägt.
Insgesamt unterscheidet man vier Veden (Sanhitas):
- Rigveda - 2028 Hymnen an die Götter, gilt als die älteste der 4 Veden
- Samarveda - 1810 Verse, wobei nur 75 eigenständig sind, der Rest kommt auch im Rigveda vor
- Yajurveda – besteht ausOpferformeln (yaju)
- Atharvaveda –enthält ausser Prosa 731 Hymnen an die Götter
Um die Veden richtig verstehen zu lernen erwies sich schon bald die Abfassung von diversen Leitfäden als enorm notwendig, sogenannte Vedangas, Glieder der Veden. Diese in knappen Prosa verfassten Schriften sind sehr wichtig für das Verständnis der religiösen und naturwissenschaftlichen Verse.
Der Ayurveda oder das Wissen von einem langen Leben ist Teil des Atharvaveda. Dessen Zauberlieder weisen die ersten Spuren von einem breiten Heilkräuterwissen auf. Ursprünglich war dieses Wissen den Priestern vorbehalten- aus ihnen entwickelte sich die ayurvedische Ärzteschaft, die dieses Wissen ständig verfeinerten und von Generation zu Generation weitergaben.
Die modernisierte Fassung des Ayurveda bildet in Indien heute das Rückgrat des Gesundheitssystems. An die 350 000 ayurvedische Ärzte, die an 45 Universitäten und 140 angegliederten Colleges bis zu neun Jahre lang ausgebildet werden, versorgen zwei Drittel der gut eine Milliarde Inder.
Um die Methoden des Ayurveda zu begreifen und die Besonderheiten zu verstehen, muss man sich mit den weltanschauliche Grundlagen auseinandersetzen. Es gibt die Lehre von den fünf weltanschaulichen Elementen und den drei Doshas. Der Mensch besteht wie die ihn umgebende Natur aus fünf Elementen: Erde, Wasser, Raum, Feuer und Luft. Im menschlichen Körper wirken diese Elemente in Form von drei Energien, den sogenannten
Dosha (physische Konstitution)
- Vata = Bewegungsprinzip: Kräfte, die mit Beweglichkeit und Bewegung des Körpers zu tun haben, Kräfte also, die den Atem, die Muskeln im Magen-Darm-Trakt und die Ausscheidungswege kontrollieren sollen.
- Pitta = das Feuer- bzw. Stoffwechselprinzip: sind Energien, die an Umwandlungskräfte beteiligt sind, beispielsweise am Stoffwechsel und an der Verdauung.
- Kapha = Strukturprinzip: ist eine Kraft, die dem Körper Struktur und Stabilität gibt, beispielsweise stabile Gelenke
In den indischen Wissenschaften wird von drei vor-uranfänglichen Substanzen gesprochen, die wesentlich sind für das aktuelle Bestehen von Allem - diese Substanzen sind als die Maha Gunas bekannt. Sie sind nicht greifbare Substanzen, sondern werden als Qualitäten bezeichnet.
Gunas (mentale Konstitution) (=Qualitäten genannt Satwa = Licht, Rajas = Energie und Tamas = Trägheit.
- Satwa - die Qualität, die eine Idee begreiflich werden lässt.
- Tamas - die Qualität, die dem Prozess eine Grenze setzt, wenn er seinen Höhepunkt erreicht hat.
- Rajas - die Qualität, die das Herstellen, Umformen, Bearbeiten beinhaltet.
Sattwische Qualitäten in einem Menschen verleihen ihm Intelligenz, rationales Denken und Toleranz. Rajas herrscht vor, wenn ein Mensch ehrgeizig ist, andere beherrschen will, sich selbst darstellen will und Handlungen beginnt. Tamas verzögert Tätigkeit, Neugier, Intelligenz und Bewusstheit.
Der altindischen Gesundheitslehre nach, wie sie in den ayurvedischen Schriften verewigt sind, kommt jeder Mensch mit einem bestimmten Mischungsverhältnis der drei Doshas auf die Welt, das bis zu seinem Lebensende unverändert bleibt. Kommt es zu Krankheiten, geht die Ayurveda Medizin von einem gestörtem Gleichgewicht der Grundkonstitution aus. Dieses Ungleichgewicht gilt es wieder herzustellen. Da jeder Mensch anders konstituiert ist, gibt es kein allgemeingültiges Schema, wie dieses Gleichgewicht wieder herzustellen ist. Das kann nur ein fähiger Ayurveda Arzt entwickeln.
Die ältesten überlieferten medizinischen Handschriften (Qizil-Fragmente, Bower-Manuskripte) sind um etwa 200-450 nach Ch. enstanden. Mitte des 1. Jahrtausend vor Ch. enstanden dann die grossen Sammlungen des indischen Hofarztes Caraka und der indischen Gelehrten Susruta und Vaghbatas. ( Mehr zur Geschichte finden Sie in dem Standardwerk: Theorie und Praxis des Ayurveda, J.Jolly, Strassburg 1901)
Der Ratgeber für Wellness und Gesundheit (RWG) will Ihnen an dieser Stelle einen berühmten indischen Arzt aus einer Ayurveda-Familie mit über 1800 jähriger Tradition vorstellen, Dr. L.B. Jayaprakash. Neben einem breiten Wissen über Kräuterheilkunde zeichnet Dr. Jayaprakash eine erstaunliche Fähigkeit aus, mit der 1-Finger-Puls-Methode festzustellen, was seinen Patienten fehlt. Der Autor konnte sich ein eigenes Bild davon machen.
Der Ratgeber Wellness und Gesundheit will sich bewusst von vielen „Wellness“ Angeboten absetzen, die leider sehr oft im Wellnepp enden. Um das wahre Ayurveda kennenzulernen, empfehlen wir eine Reise zu den Urprüngen, also nach Indien. Neben Paul McCartney behandelt Dr. Jayaprakash unter anderem auch die kuwaitische Fürstenfamilie und andere Prominente.
Quelle: Raimund Müller, Ratgeber Wellness und Gesundheit
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