Zu viel Hygiene macht krank

Händewaschen mit einem Stück Seife

„Viele Menschen waschen und putzen zu viel, mit aggressiven Mitteln und an den falschen Stellen – als wollten sie Seuchen bekämpfen“, betont unser Autor Professor Dr. Eiko Petersen. Er ist Leiter der Abteilung für Infektologie der Universitäts-Frauenklinik Freiburg.

Übertriebene Hygiene

Hygiene im Haushalt und für unterwegs.“ „Beseitigt Bakterien, Pilze und spezielle Viren.“ „Wirkt desinfizierend für Haut und Oberflächen.“ Mit diesen und ähnlichen Slogans werben Produkte für die Sauberkeit. Vor allem viele Frauen legen großen Wert auf Hygiene.

Was putz- und waschwütige Menschen nicht bedenken: Übertriebene Hygienemethoden behindern entscheidende Lernschritte für unser Immunsystem. Unsere Abwehr braucht „Übung“, um gestärkt zu werden. Die Angst vor Mikroorganismen ist weit verbreitet und führt manchmal zu unnötigen und oftmals krankmachenden „Hygienemaßnahmen“. Viele Menschen benutzen Desinfektionsmittel für die Wäsche und zum Putzen.

Dies ist ebenso wie eine übertriebene Genitalhygiene völlig überflüssig. Gleiches gilt für die häufige Anwendung von Salben, die zu Ekzemen führen kann. Sehr verbreitet ist die Pilz-Phobie. Die Angst vor Mikroorganismen nimmt vielen Frauen die Lebensfreude – dabei gibt es nur wenige Erreger, vor denen man Angst haben muss.

Das Phänomen Haut

Unsere Haut ist besiedelt von einem ganzen Mikrokosmos von Bakterien. Diese haben sich optimal an die Bedingungen angepasst und leben von Talg und Schweiß, den wir ständig absondern. Auf trockenen Hautpartien leben etwa 1.000 Bakterien pro Quadratzentimeter, auf feuchten tausend bis zehntausend Mal mehr.

Diese Keime, unsere sogenannte Hautflora, sind nicht nur harmlose Nutznießer, sondern schützen vielmehr vor Infektionen: Sie blockieren mögliche Angriffspunkte für Krankheitskeime. Übertriebene Hygiene stört oft das sensible Gleichgewicht unserer Haut- und Schleimhautflora.

Die regelmäßige Körperreinigung gehört zu den wichtigsten Hygienemaßnahmen, was gut und richtig ist. Mittlerweile ist es normal geworden, sich täglich zu duschen oder zu baden. Allerdings kann ein Zuviel den natürlichen Schutz der Haut beeinträchtigen. Zu häufiges Duschen, Baden und Waschen entzieht ihr dabei Fett und Feuchtigkeit. Der wichtige Säureschutzmantel der Haut und die Hautflora werden zerstört. Oft bildet dies die Ursache von Hauterkrankungen.

Hauterkrankungen nehmen zu

Dermatologen bestätigen, dass diese in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Sie führen das unter anderem auf zu häufiges Waschen mit ungeeigneten Mitteln zurück. Bei normaler Verschmutzung reicht Duschen mit einfachem Wasser. Bei der täglichen Körperreinigung muss nicht der ganze Körper eingeseift werden.

Eine gründliche Reinigung der „Tropenregionen“ des Körpers, wie Achselhöhlen, Intimbereich und Füße, wo feuchtwarmes Klima herrscht, ist oft ausreichend. Dort befinden sich besonders viele Schweißdrüsen. Waschen mit Seife entfernt 90 bis 95 Prozent der oberflächlichen Mikroorganismen. Allerdings sollten Sie mit Seife immer sparsam umgehen.

Körperpflege mit Maß und Ziel

Syndets oder milde Duschbäder mit dem ph-Faktor 5,5 gehen in jedem Fall schonender mit dem Säureschutzmantel um als Seifen. Am besten lassen Sie sich in der Apotheke hautfreundliche und den Hautzustand stabilisierende Produkte empfehlen. Dann wissen Sie sicher, dass Ihre Haut in Hochform kommt. Und geben Sie Produkten ohne oder mit wenigen Zutaten von Parfümen und Duftstoffen den Vorzug.

Wichtig ist Fetten, beispielsweise mit speziell für den Intimbereich entwickelten Pflegecremes. Das beugt Schäden vor und normalisiert empfindliche Hautzonen. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach geeigneten Mitteln. Die Behandlung mit Vaseline oder Melkfett ist zwar wirksam, aber diese Produkte hinterlassen ein fettiges und klebriges Gefühl auf der Haut.

Kampf gegen Bakterien im Haushalt

Hausfrauen und -männer verfügen heutzutage über ein ganzes Waffenarsenal gegen Schmutz und Bakterien. Die Spanne reicht vom Allzweckreiniger bis hin zum speziellen Bakterienkiller. Dabei genügen für einen normalen Hausputz harmlose und wirksame Reiniger wie Essig, Spülmittel und/oder Neutralseife. Vor allem antibakterielle Produkte wirken nicht besser als herkömmliche Reiniger.

Eine „Desinfektion“ im Haushalt ist vergleichbar mit dem Einsatz von Insektiziden, Pestiziden und Fungiziden in der Landwirtschaft. Viele der desinfizierenden Mittel enthalten darüber hinaus Stoffe, die dem Menschen gefährlich werden. Sie können darüber hinaus allergieauslösend wirken. Sprechen Sie also besser mit den Mitarbeitern in Ihrer Apotheke, welche Mittel ohne ein Zusatzrisiko empfehlenswert sind.

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RWG Redaktion

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