Mangelernährung: Alte Menschen haben oft wenig Appetit

Im Alter verlieren immer mehr Senioren die Lust am Kochen.

Viele Senioren sind zu dünn, manche regelrecht unterernährt. Sie nehmen das Essen nicht mehr wichtig und verzichten mangels Appetit darauf. So riskieren sie wegen Mangelernährung Krankheiten oder einen früheren Tod. Unsere Ernährungstipps helfen, im Alter wieder zu Kräften zu kommen.

Alte Leute brauchen weniger Schlaf. Sie sind körperlich nicht mehr so aktiv wie in jungen Jahren und kommen deshalb mit kürzeren Erholungsphasen aus. Der Energiebedarf sinkt, weil der Körper weniger Energie verbraucht. Von daher ist es vernünftig, beim Essen auf die Kalorienbremse zu treten, um Übergewicht zu vermeiden. Ein betagter Organismus ist aber nicht in allem genügsamer, benötigt Vitamine und Mineralstoffe wie eh und je.

Unterernährung beginnt zu Hause

Essen wie ein Bettelmann ist also nicht angesagt, bei vielen Senioren jedoch an der Tagesordnung. Die ältere Generation wird nicht nur von wohlbeleibten Wohlstands-Oldies verkörpert, wie es das Klischee will. Für gut jeden Zwölften der über 60-jährigen Bundesbürger ist nicht „Hüftgold“ das Problem, sondern Untergewicht bzw. chronische Mangelernährung.

Einer von drei Pflegeheimbewohnern bringt zu wenig auf die Waage, weil er nicht genug oder nicht das Richtige zu essen bekommt. Mangelernährung beginnt viel früher: Schätzungsweise 1,3 Millionen unterernährte Senioren hier zu Lande leben in den eigenen vier Wänden!

Krankenhausärzte schlagen Alarm, jeder zweite Patient im Rentenalter werde ausgezehrt eingeliefert. Fehlende Reserven verzögern die Genesung und verlängern den Krankenhausaufenthalt. Derweil schreitet der Substanzverlust fort, weil in vielen Kliniken die Kost zu wünschen übrig lässt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) stellte bei Stichproben an 17 deutschen Krankenhäusern bei der Hälfte der über 65-jährigen Patienten Unterversorgung fest. Und das, obwohl vor allem frisch operierte Kranke einen erhöhten Bedarf an Eiweiß und Zink haben. Besteht hier ein Mangel, dauert die Heilung länger. Es bilden sich leichter Druckgeschwüre und die Patienten liegen sich wund…

Mangel macht malade

Untergewicht beginnt ab einem Body-Mass-Index unter 20. Auch wenn diese kritische Grenze noch nicht unterschritten ist, kann Mangelernährung krank machen. Ein Defizit an Proteinen (Eiweiß), Vitaminen und Mineralstoffen entkräftet den Organismus, bringt Muskeln und Knochen zum Schwinden. Dadurch nimmt das Risiko für Stürze und Brüche zu. Da auch die Atemmuskulatur schwächelt, bekommt man schlechter Luft.

Obendrein können sich Herzrhythmusstörungen einstellen. Die Abwehrkräfte erlahmen, der Körper wird anfälliger für Infektionen. Und da der gesamte Stoffwechsel sich ungünstig verändert, wirken Medikamente stärker als sie sollen.

Nährstoffmangel forciert nicht nur körperlichen, sondern auch geistigen Verfall. Teilnahmslosigkeit, Depressionen und Verwirrtheit, die so genannte Altersdemenz, sind oft die Folge von Unterernährung, gepaart mit Flüssigkeitsmangel. In diesem Zustand essen Betroffene dann erst recht zu wenig bzw. vergessen das Essen – ein Teufelskreis.

Am Ende läuft alles auf Pflegebedürftigkeit hinaus, und die Sterblichkeit ist bei Senioren mit Mangelernährung doppelt so hoch wie sonst. Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga, mahnt: „Ärzte und Pflegepersonal müssen dem Ernährungszustand ihrer Patienten unbedingt mehr Aufmerksamkeit schenken.“

Vielfältige Probleme des Alters

Dass es in einer Wohlstandsgesellschaft Senioren mit Mangelernährung gibt, mag überraschen. Doch auf der einen Seite existiert Altersarmut, auf der anderen ist der Alterungsprozess selbst der Hauptgrund für das Desaster:

  • Hunger- und Durstgefühl lassen mit den Jahren nach.
  • Essen macht alten Menschen wenig Freude, wenn Kauen und Schlucken schwerfallen oder die Verdauung gestört ist.
  • Vielen Senioren fehlt die Motivation für sich zu kochen, vor allem wenn sie ohne Partner leben.
  • Manche Senioren sind schlecht zu Fuß, das Einkaufen macht Probleme.

Sättigungsgefühl überlisten

Um die Lebenserwartung zu erhöhen, müssen Betroffene schleunigst eine regelmäßige Nahrungsaufnahme erreichen. Das Sättigungsgefühl überlisten Sie, indem Sie viele kleine Mahlzeiten zu sich nehmen. Das ist besser als den Teller zwei-, dreimal am Tag voll zu laden und dann nicht leer zu essen. Hilfreich: Öfter in Gesellschaft statt alleine zu speisen. Dann hat man mehr Appetit.

Keine Mahlzeiten mehr auszulassen, das erleichtert ein individueller Ernährungsfahrplan. Hier kann man eintragen, wann, was und wie viel man isst. So verlieren Sie niemals den Überblick. Erlaubt ist grundsätzlich alles, was man verträgt. Vom Speiseplan streichen müssen Sie nur, was Beschwerden verursacht (zum Beispiel Frittiertes oder Hülsenfrüchte).

Ebenso nahrhaft wie schmackhaft: „Leibgerichte“ der regionalen Küche, wenn der Schwerpunkt auf viel Gemüse, Kartoffeln, Vollkornnudeln, -reis und -brot, mageres Fleisch, Fisch, Eier und Obst liegt. Wichtig: Gemüse in wenig Wasser nur so lange wie nötig dünsten, damit nur wenige Nährstoffe „verkochen“. Aus dem gleichen Grund sollten Sie langes Warmhalten bzw. Aufwärmen vermeiden.

Tipps von Experten

  • Erschwert Arthrose in den Fingern das Essen mit Messer und Gabel, sollte man sich ein größeres Besteck zulegen, das sich leichter greifen lässt, oder weicht alternativ auf „Fingerfood“ – mundgerechte Häppchen – aus.
  • Bei Kau- und Schluckproblemen sollte die Zahnprothese ärztlich kontrolliert und korrigiert werden. Manchmal ist das Problem aus der Welt, wenn feste Nahrung püriert, flüssige angedickt wird.
  • Wenn das Einkaufen oder Kochen schwerfällt, sind tiefgekühlte Fertiggerichte die beste Wahl, weil sie die meisten Nährstoffe speichern. Sicher finden sich Angehörige oder Nachbarn, die Sie beim Einkaufen oder Kochen unterstützen oder professionelle Hilfe organisieren. Schließlich gibt es Einkaufsdienste, Essen auf Rädern, bei Bedarf ambulantes Pflegepersonal, das stundenweise ins Haus kommt.

Untergewichtige Senioren aufpäppeln

Untergewichtige Senioren müssen aufgepäppelt werden, damit sie wieder zu Kräften kommen. Um die Kalorienaufnahme zu steigern: Planen Sie drei Hauptmahlzeiten und zwei bis drei Zwischenmahlzeiten (Trockenfrüchte, Sahnejoghurt) ein. Es empfiehlt sich, das Essen mit zusätzlichen Nährstoffen anzureichern. Dazu eignen sich vor allem hochwertige kaltgepresste Pflanzenöle und Eiweißkonzentrate.

Um den Muskelaufbau zu fördern, sollten Sie leichtes körperliches Krafttraining betreiben. Gelingt mit herkömmlichen Lebensmitteln keine ausreichende Versorgung mehr, können Ärzte kalorienreiche Trinknahrung als Zusatz- oder Ersatzmahlzeiten verschreiben.

Macht die Nahrungsaufnahme durch den Mund Probleme, kann man über eine Sonde in Magen oder Dünndarm ernähren. Eine Pumpe gibt dann die Spezialnahrung kontinuierlich über den Tag ab. Mehr Informationen über Mangelernährung im Alter bietet die Deutsche Seniorenliga.

Test: „Bin ich unterernährt?“

  1. Ist ein ungewollter Gewichtsverlust festzustellen?
  2. Essen Sie das Essen oft nicht auf?
  3. Fällt das Kauen und/oder Schlucken schwer?
  4. Trinken Sie weniger als 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag?
  5. Kommt es mehr als dreimal pro Woche zu Durchfall?
  6. Liegen Wundheilungsstörungen vor?
  7. Liegt Ihr Body-Mass-Index (BMI) unter 20?

Auswertung: Wenn Sie eine Frage zweimal mit „Ja“ beantworten, ist eine Mangelernährung wahrscheinlich. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an!

Quelle: Ratgeber aus Ihrer Apotheke

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