Hoher Blutdruck – Das rät Ihr Apotheker

Bewegung hilft vor allem Senioren beim Abnehmen.

Hoher Blutdruck gilt als stiller Killer: Jeder zweite Herzinfarkt und zwei von drei Schlaganfällen gehen auf sein Konto. Und das ohne Ankündigung durch gravierende Beschwerden. Zwar schädigen schon Druckwerte ab 140 zu 90 die Blutgefäße und schwächen das Herz. Doch gewöhnlich spürt man wenig davon.

Bluthochdruck sorgt zwar eventuell für Kopfschmerz, Schwindel, Nasenbluten oder gestörtem Schlaf, aber dahinter können ebenso andere Ursachen stecken. Ärzte schätzen die Zahl der Hochdruckkranken (Hypertoniker) auf bis zu 18 Millionen Bundesbürger, Tendenz steigend. Schuld ist in erster Linie Übergewicht. Jenseits des 50. Lebensjahres ist sage und schreibe jeder Zweite betroffen. Viele Betroffene ahnen nichts davon.

Natürliches Auf und Ab

13912-1-1Umso wichtiger ist es, den Blutdruck regelmäßig kontrollieren zu lassen. Das kann man nicht nur in der ärztlichen Praxis, sondern ebenso in der Apotheke. Wann und wo der Blutdruck gemessen wird, ist nicht ohne Belang: Vielen schnellt er beim Arzt vor Aufregung deutlich höher als in entspannter Atmosphäre. Ein Phänomen, das Kenner als „Weißkittelhypertonie“ bezeichnen.

Unter Umständen nimmt sich dann der Messwert in der Apotheke günstiger aus: Für einen eindeutigen Befund reicht eine einzige Druckwertbestimmung allerdings nicht aus. Klarheit herrscht erst nach wiederholten, vergleichenden Messungen über mehrere Tage zur selben Stunde, mit einem am Körper getragenen Messgerät kontinuierlich rund um die Uhr. Erst wenn die Druckwerte zu keiner Zeit, also auch nicht in Ruhephasen, unter 140 zu 90 sinken, steht die Diagnose „Hypertonie“ fest.

Domäne der Apotheke

Zwecks Früherkennung wird empfohlen, den Blutdruck ab 30 Jahren alle zwölf und ab 40 alle sechs Monate beim Arzt oder Apotheker kontrollieren zu lassen. Spätestens ab dem 50. Lebensjahr gehört ein eigenes Messgerät ins Haus, bei Diabetikern und Herzkranken sogar grundsätzlich, unabhängig vom Alter. Fürs Selbstmessen geeignet sind Geräte, die ein von der Deutschen Hochdruckliga vergebenes Prüfsiegel tragen.

In Apotheken berrät man Sie gerne. Hier kann man Blutdruckmessgeräte nicht nur kaufen, sondern sich ebenso deren Anwendung erläutern und vorführen lassen. Sie bekommen wertvolle Tipps, den Blutdruck zu normalisieren:

Richtig messen und interpretieren

Richtig messen: Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck immer zur gleichen Tageszeit, z. B. am Morgen. Sport oder körperliche Arbeit sollten mindestens eine Stunde her sein, der Genuss von Kaffee, Tee oder Tabak muss mindestens 30 Minuten zurückliegen. Vor dem Messen die Blase entleeren, dann in Ruhe einen bequemen Sessel aufsuchen. Entspannen Sie sich. Während der Messung den Arm nicht bewegen und Sprechen, Husten oder Lachen vermeiden. Das verfälscht das Ergebnis.

Messwerte richtig interpretieren: Zu hoher Blutdruck beginnt ab 140 zu 90. Normal sind Werte bis 130 zu 85, für Diabetiker und Nierenkranke ist das aber schon zu hoch. Als optimal gilt unter 120 zu 80. Darüber sollten ebenso Senioren nicht liegen, um gesundheitlich auf dem Damm zu bleiben. Die Faustformel „100 plus Lebensalter“ als Grenzwert für den oberen („systolischen“) Wert ist lange passé.

Mittelschwere Hypertonie geht ab 160 zu 100, schwere ab 180 zu 110 los. Ein Blutdruck über 230 zu 120 bedeutet unmittelbare Lebensgefahr: Er kann schadhafte Gefäße zerreißen und Blutungen im Gehirn auslösen.

Blutdruck senken ohne Medikamente

Gut die Hälfte aller Hypertoniker hat es selbst in der Hand, den Blutdruck zu normalisieren, ohne auf Medikamente angewiesen zu sein. Übergewichtigen hilft Abspecken – zehn Pfund weniger auf der Waage drücken den Blutdruck um zehn Punkte.

Sich regen bringt Segen: Dreimal die Woche 30 Minuten Radfahren, Schwimmen oder Wandern trainiert die Gefäße. So steigt der Blutdruck bei körperlicher Belastung weniger stark an und sinkt in Ruhephasen in den grünen Bereich.

Ungeeignet sind Sportarten, die einen großen Kraftaufwand erfordern, neben Gewichtheben im Fitnessstudio z. B. ebenso Rudern. Das Rauchen sollten Sie einstellen. Alkohol ist nur in Maßen erlaubt: Ein Viertelliter Wein pro Tag bewirkt, dass das Herz schneller schlägt und mehr Blut durch die Adern pumpt – der Druck auf die Gefäßwände nimmt zu.

Blutdruck senken mit Medikamenten

Richten Diät und viel Bewegung nicht genug aus, ist eine arzneiliche Therapie des hohen Blutdrucks geboten, die obendrein Herz und Nieren entlastet. In jedem Fall mit Medikamenten behandelt werden müssen Druckwerte ab 180 zu 110. Wer neben erhöhtem Blutdruck zu hohe Blutfett- und Blutzuckerwerte beklagt, braucht schon ab 130 zu 85 Tabletten. Die meisten Blutdruck-Patienten benötigen eine Therapie mit mindestens zwei Arzneistoffen.

Bewährt hat sich z. B. die Kombination Diuretikum plus Betablocker oder ACE-Hemmer, die Betroffene in jeweils niedrigerer Dosierung zu sich nehmen als bei Alleineinnahme. Manche Präparate versammeln die unterschiedlichen Wirkstoffe in nur einer Tablette. Manche wirken bis zu 24 Stunden, so dass sich das Tabletten-Schlucken in Grenzen hält.

Am besten die Medikamente gleich morgens beim Aufstehen einnehmen, damit ihre Wirkung frühestmöglich einsetzt. Wer nachts zu hohem Blutdruck neigt, sollte mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob zusätzlich Tabletten am Abend vonnöten sind. Wichtig: Die Therapie dürfen Sie auf keinen Fall abbrechen, sobald der Blutdruck wieder okay ist.

Das besagt nur, dass die Behandlung Erfolg hatte. Und nicht, dass sie fortan überflüssig wäre. Medikamente können hohen Blutdruck nicht heilen und seine Ursachen nicht beseitigen: Dies ist ebenso ein Argument für die Langzeittherapie, vor allem aber für eine gesundheitsbewusste Lebensführung. Fragen Sie Ihren Arzt.

Foto Artikel: Initiative gesund leben und ernähren e. V.

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