Schilddrüse setzt Blutgefäße unter Druck

Eine blonde Frau fühlt nach ihrer Schilddrüse

Unzureichend behandelt erhöht Bluthochdruck das Risiko für Schlaganfall, Nierenschäden und schwere Herzerkrankungen. Oftmals entsteht er ohne eine klare Ursache. Eine Schilddrüsen-Fehlfunktion kann jedoch ein Auslöser sein.

Dem Blutdruck auf der Spur

Stellt der Arzt wiederholt erhöhte Blutdruckwerte fest, wird er zunächst nach einer eindeutigen organischen Ursache dafür suchen. Also nach einer Erkrankung, die sich behandeln lässt. Solche speziellen Auslöser des Bluthochdrucks kommen zwar nicht oft vor, aber es gibt sie.

Privatdozent Dr. Alexander Mann arbeitet als Facharzt für Innere Medizin und Hormonexperte am Endokrinologikum Frankfurt am Main. Er schätzt: »Klar fassbare organische Ursachen für Bluthochdruck lassen sich bei etwa 15 Prozent aller Hochdruckpatienten nachweisen.«

Möglich sind beispielsweise Störungen in hormonbildenden Drüsen. So steigern gutartige Tumore in den Nebennieren den Blutdruck. Darüber hinaus kann ihn eine Schilddrüsen-Überfunktion nach oben treiben.

Wirkung der Schilddrüse

»Von einer solchen Überfunktion spricht man bei vermehrter Abgabe von Schilddrüsen-Hormonen in die Blutbahn«, erläutert Mann. »Dies kann durch eine Schilddrüsen-Entzündung oder durch eine ungesteuerte Abgabe von Schilddrüsen-Hormonen aus Knoten in der Schilddrüse geschehen.«

Die Hormonüberdosis setzt Herz und Kreislauf zu. »Schilddrüsen-Hormone wirken auf das unwillkürliche Nervensystem und direkt auf die Herzmuskelzelle. Beides lässt das Herz schneller schlagen und erhöht das Blutvolumen. Als Folge der erhöhten Kreislaufbelastung bei der Schilddrüsen-Überfunktion steigt vor allem der obere, der systolische Blutdruckwert

Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse

Mögliche Anzeichen für eine Überfunktion der Schilddrüse sind:

  • erhöhter Puls und Blutdruck
  • Unruhe, Schlafstörungen, Wärmeempfindlichkeit
  • Müdigkeit, Zittern der Hände
  • häufigere Stuhlgänge, Übelkeit
  • bei Frauen Zyklusstörungen, beim Mann Impotenz.

Interessant ist, dass ebenso eine Schilddrüsen-Unterfunktion auf Dauer den Blutdruck erhöhen kann. Der Experte Mann: »Dies geschieht nicht durch einen direkten Einfluss auf die Herzleistung, sondern durch die Wirkung auf die Blutgefäße. Sie werden bei der Schilddrüsen-Unterfunktion weniger nachgiebig. In den starren Gefäßen steigt eher der untere, der diastolische Blutdruckwert.«

Mögliche Anzeichen für eine Unterfunktion der Schilddrüse sind:

  • verlangsamter Herzschlag, eventuell hoher diastolischer Blutdruck
  • Antriebsarmut, Kälteempfindlichkeit
  • Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
  • Appetitlosigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme
  • trockene, schuppige, blassgelbe Haut

Steht die ärztliche Diagnose fest, muss behandelt werden. Von selbst verflüchtigt sich eine Schilddrüsen-Fehlfunktionen nicht.

Eine Therapie muss sein

Herz und Kreislauf profitieren von der Therapie, betont Mann. »Um den Blutdruck bei der Überfunktion zu senken, setzt man Betablocker ein. Diese verlangsamen den durch die Überfunktion erhöhten Herzschlag. Und sie senken das Pumpvolumen des Herzens und den Widerstand in den Blutgefäßen. Hierdurch kommt es zu einer raschen Senkung des Blutdruckes innerhalb von Stunden bis einigen Tagen.

«Hinzu kommen Mittel, die die Hormonbildung der Schilddrüse drosseln, was oftmals nach einigen Wochen gelingt. Eventuell muss eine Operation folgen, um die Überfunktion endgültig auszuschalten. Dabei wird die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt. Alternativ gibt es eine Radiojodtherapie.

Bei einer deutlichen Unterfunktion – die als Folge einer Schilddrüsen-Operation oder Radiojodtherapie eintritt – verordnet der Arzt Schilddrüsen-Hormone, damit Herz und Kreislauf normal arbeiten. »Doch Fehler bei der Einnahme von Schilddrüsen-Hormonen können den Blutdruck beeinflussen«, warnt Mann. Daher ist bei der Suche nach der optimalen Dosis eine gute Abstimmung zwischen Arzt und Patient wichtig.

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RWG Redaktion

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