Keine Scham bei Hämorrhoidal-Leiden

Sprechen Sie bei Hämorrhoiden mit Ihrem Arzt

Wird der Po zur Problemzone, ist das den meisten peinlich. Sie scheuen den Gang zum Arzt oder Apotheker, selbst wenn Hämorrhoiden bluten und schmerzen. Falsche Scham, die sich rächt: Verschlimmern sich die Beschwerden, hilft irgendwann nur noch eine Operation.

Hämorrhoiden sind schmerzhaft

13245-1-1Wenn der Darmausgang nässt, juckt oder brennt, ist das kein Grund, sich zu schämen. Schuld an Reizungen und Ekzemen der empfindlichen Afterhaut ist nämlich weder mangelnde Hygiene noch, wie manche behaupten, zu viel Alkohol. Die Probleme verursacht fast immer ein krankhaft erweitertes Aderngeflecht im Darm, Hämorrhoiden genannt. Normalerweise unterstützen sie den Schließmuskel dabei, den Darmausgang abzudichten.

Damit der Verdauungsschlauch seinen Inhalt nicht unkontrolliert abgibt, sind die Hämorrhoiden prall mit Blut gefüllt und bilden dadurch eine Barriere für Winde und Stuhl. Ist Stuhlgang hingegen erwünscht, entspannt sich der Schließmuskel. Das Blut aus den Hämorrhoiden fließt ab, sodass sie abschwellen; der Darm kann sich nun entleeren.

Nicht pressen, nicht lesen!

Eigentlich also sind Hämorrhoiden eine nützliche Einrichtung. Erst wenn die Schwellkörper knotenförmig vergrößert bleiben, sind aus gesunden Hämorrhoiden kranke geworden – und ist zutreffender von einem Hämorrhoidal-Leiden die Rede. Verantwortlich für das Übel machen Ärzte vor allem Pressen beim Stuhlgang. Wird auf der Toilette der Schließmuskel nicht entspannt, kann aus den Hämorrhoiden kein Blut abfließen und der Stuhl reißt sie mit sich, schiebt sie vom Enddarm Richtung After.

Als riskant gilt auch zu langes Verweilen auf dem stillen Örtchen. Wer hier Zeitung liest, schwächt den Schließmuskel; der Darm sackt nach unten. Nicht zuletzt machen Ärzte Veranlagung für Hämorrhoidal-Leiden verantwortlich, insbesondere eine angeborene Bindegewebsschwäche. Ob Verstopfung eine Rolle spielt, ist hingegen nicht sicher. Welche Beschwerden Hämorrhoiden bereiten, hängt vom Stadium der Erkrankung ab.

Zunächst hat die chronische Schwellung zur Folge, dass der Darm nicht mehr richtig schließt. Jetzt kann Schleim in den sonst trockenen Analbereich gelangen und die schon erwähnten Ekzeme verursachen. Im nächsten Stadium leiern die empfindlichen Arterien aus, ihre Wände werden dünner.

Harter Stuhl verletzt sie; es kommt zu starken, hellroten Blutungen. Schmerzen stellen sich ein, wenn eine vorgeschobene Hämorrhoide eingeklemmt und ein Blutgerinnsel entstanden ist. Im letzten Stadium stülpen Hämorrhoiden sich bei der Darmentleerung immer wieder aus dem After (Analvorfall) und lassen sich schließlich nicht mehr zurückschieben.

Scham macht alles nur schlimmer

Spätestens jetzt kommen Betroffene nicht mehr um eine Operation herum. Vor allem gilt es, das Verblutungsrisiko einzudämmen, da die Hämorrhoiden von drei kräftigen Schlagadern gespeist werden. Zwar gibt es mittlerweile Operationstechniken, die nahezu Schmerzfreiheit verheißen, doch kann es nach jedem Eingriff zu Rückfällen kommen. Und wird zu viel krankes Gewebe entfernt, schließt der Darm nicht besser, sondern schlechter; die Kontrolle über den Stuhlgang geht gänzlich verloren (Inkontinenz).

Umso wichtiger, schon anfängliche Symptome eines Hämorrhoidal-Leidens ernst zu nehmen und Arzt und Apotheker um Rat zu bitten, statt die Beschwerden zu verschweigen und so deren Verschlimmerung zu riskieren. Scham ist hier gänzlich unangebracht, schließlich kann das Leiden jeden treffen. Für Mediziner ist jedenfalls kein Geheimnis, dass es sich um eine echte Volkskrankheit handelt – mindestens jeder dritte Bundesbürger hat sich bereits mit kranken Hämorrhoiden herumgeplagt!

Andere Ursachen möglich

Bei zweimal hintereinander Blut auf dem Toilettenpapier sollte nicht gezögert und baldigst ein Arzt aufgesucht werden. Dieser muss erst einmal untersuchen, ob hinter den Symptomen tatsächlich Hämorrhoiden stecken. „Anale Beschwerden werden zu häufig und oft fälschlicherweise Hämorrhoiden angelastet bzw. mit ihnen verwechselt“, sagt Professor Dr. Henning Rohde, Spezialist für Enddarmleiden (Proktologe) aus Köln. „Blutungen sind bei nur 15 Prozent meiner Patienten ausschließlich auf Hämorrhoiden zurückzuführen.“

Im Spiel sein können genauso schmerzhafte Risse in der Afterschleimhaut, eitrige Entzündungen, eventuell ein Tumor. Auch bei Schmerzen direkt am After hat man es nicht durchweg mit Hämorrhoiden zu tun. Hier am Darmausgang ist nämlich ein Kranz von Venen zu Hause, in denen sich kleine Blutgerinnsel (Perianalthrombosen) bilden können.

Beim Sitzen verursacht die prall gestaute Vene sehr starke Schmerzen und macht den Eindruck einer vorgefallenen, eingeklemmten Hämorrhoide. Doch der Körper baut den Blutpropf binnen weniger Tage ab, die Vene erschlafft wieder, und die Sache ist aus der Welt – kranke Hämorrhoiden hingegen bleiben.

Von Analdehner bis Zäpfchen

Wer vorbeugen oder Schlimmeres verhüten will, hält mit folgenden Tipps klaren Kurs:

  • Den Stuhlgang nicht übereilen, sondern sich Zeit nehmen, damit der Schließmuskel entspannen kann. Nach der Entleerung die Sitzung beenden und nicht durch Lesen ausdehnen, obwohl man gar nicht mehr „muss“.
  • Die Verdauung fördern und die Ausscheidung erleichtern. Dazu täglich zwei bis drei Liter Mineralwasser trinken, viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte essen sowie täglich spazieren gehen oder schwimmen.
  • Den Analbereich schonen, d. h. weiches Toilettenpapier verwenden und den After zusätzlich mit warmem Brausestrahl (Duschwanne, Bidet) säubern. Ersatzweise Feuchtreinigungstücher verwenden, die allerdings allergieträchtige Stoffe enthalten können. Zum Schluss mit Frotteehandtuch abtrocknen.
  • Medizinische Salben und Zäpfchen aus der Apotheke verwenden, die den Juckreiz lindern und die Wundheilung fördern. Wichtig: Kortisonsalben meiden, denn sie können die empfindliche Analhaut schädigen und begünstigen überdies Pilzinfektionen. Finger weg auch von simplen Haut- oder Fettcremes, die Hämorrhoidalleiden verschleppen und verschlimmern können.
  • Den Schließmuskel lockern. Hilfreich ist ein Analdehner (Apotheke). Der trichterartige Hohlkörper aus Kunststoff wird vorsichtig in den After eingeführt und massageartig vor und zurück bewegt, um den Muskel zu entspannen und damit das Abschwellen der Hämorrhoiden zu fördern.
  • Den Schließmuskel kräftigen. Einen zu schwachen Schließmuskel trainiert wechselndes An- und Entspannen, indem man den Po erst zusammenkneift, dann locker lässt – und das etwa 50-mal am Tag.

 Foto oben: © absolutimages – Fotolia.com

Foto Artikel: ABDA

RWG Redaktion

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