Madenwürmer: unangenehm, aber meist ungefährlich

Kinder erkranken schnell an Madenwürmern.

Wenn Kinder nachts nicht mehr gut schlafen, wenn es sie im Po juckt oder Bauchschmerzen auftreten, wenn die Kinder tagsüber müde, unkonzentriert und reizbar sind, dann kann ein Madenwurmbefall vorliegen.

Über diese bei kleinen Kindern recht häufig vorkommenden Parasiten und die Behandlung berichtet Oberarzt Dr. med. Markus Rose von der Abteilung für Pädiatrische Infektiologie der Universitätskinderklinik in Frankfurt am Main.

Was sind Madenwürmer?

Rose: Madenwürmer, auch »Kinderwürmer« oder englisch »pin worms« genannt, gehören zur Familie der Faden­würmer. Der Madenwurmbefall wird auch als Enterobiasis oder Oxyuriasis bezeichnet.

Es handelt sich um die häufigste Parasitenerkrankung der gemäßigten Zonen und sie tritt bevorzugt im Kindergarten- und Schulkindalter auf. Die seit dem Altertum bekannte Infektion führt bei einem großen Teil der Betroffenen zu keiner Erkrankung, kann allerdings auf Grund der hohen Ansteckungsfähigkeit zu wiederholten Erkrankungen besonders junger Kinder und chronisch Kranker führen.

Wo überall siedeln sich Madenwürmer im Menschen an?

Rose: Madenwürmer leben im menschlichen Dünn- und Dickdarm und treten besonders des Nachts aus dem Enddarm nach draußen, um im Bereich des Anus ihre Eier abzulegen. Aus diesen entwickelt sich bei Körperwärme, Sauerstoff und Feuchtigkeit binnen weniger Stunden eine infektiöse Larve, die dann über Hand-Mund-Kontakt zu einer erneuten Infektion des Darmtraktes führen kann. In Staub und Bettwäsche sind die Eier über Monate infektionstüchtig.

Wie groß sind die Tiere?

Rose: Die eierlegenden Weibchen des Fadenwurms werden bis zu 13 mm, die Männchen bis zu 5 mm lang, bei einer Breite von 0,5 mm. Man kann sie also mit bloßem Auge sehen.

Madenwurmeier lassen sich an einem Tesafilmstreifen nachweisen, der am besten am Morgen aufgedrückt wird; die festhaftenden Eier werden dann mikroskopisch nachgewiesen. Stuhl- und Urinuntersuchungen führen häufig zu keinem Erregernachweis.

Die Madenwürmer führen zu einem Juckreiz am Anus durch die dort abge­legten Eier, was zu Schlafstörungen mit Folgeerscheinungen wie nächt­lichen Angstzuständen, Tagesmüdigkeit, Nervosität, Konzentrations­schwäche oder Appetit­losigkeit führen kann.

Treten bei starkem Befall gefährliche Symptome auf?

Rose: Ein großer Teil der Infektionen verläuft ohne Beschwerden. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, können neben den Folgen des Schlafmangels durch den Juckreiz und das teils unbewusste nächtliche Kratzen schwere Weich­teilinfektionen im Bereich des Dammes, des Anus und der Geschlechts­organe auftreten bis hin zu eitrigen Infektionen und Entzündungen der inneren Bauch- und Beckenorgane.

Wie kann man Madenwürmer bekämpfen?

Rose: Bewährte Arzneistoffe sind Pyrantel, bei Kindern über zwei Jahre auch Mebendazol; die Behandlung ist nach zwei bis drei Wochen zu wiederholen, um einem Rückschlag durch Selbstansteckung vorzubeugen.

Die parallele Mitbehandlung der Familienangehörigen beziehungsweise von Kontaktpersonen sowie die Einhaltung von Hygienemaßnahmen wie kurzgeschnittene Fingernägel, häufiges Waschen der Analregion, Wäschewechsel nach jeder Behandlung, Vermeidung der Staubinfektion auch beim Bettenmachen sind für eine erfolgreiche Kur mit entscheidend.

Kann der Befall nach der Therapie leicht erneut auftreten?

Rose: Das ist eine Frage der Lebensumstände. Typische Übertragungsorte von Madenwürmern sind Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, Pflegeheime sowie der familiäre Bereich. Da die Würmer eine Lebensspanne von maximal drei Monaten haben, spielt die erneute Selbstinfektion durch Hand-Mund-Übertragung eine Rolle für chronische Infektionen, ebenso wie die erneute Ansteckung durch beschwerdefreie Kontaktpersonen.

 Foto: © angiolina – Fotolia.com

RWG Redaktion

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