Hörsturz – oft bessert er sich von selbst

Mit einem Hörsturz ist nicht zu spaßen.

Plötzlich hört man schlechter, oftmals auf einem Ohr. Es besteht ein Druckgefühl, so als hätte man Watte im Gehörgang. Oft kommt ein Pfeifen oder Rauschen dazu: So erleben Betroffene einen Hörsturz. Wie Sie mit einem Hörsturz am besten umgehen verrät Christian Koeppe, Facharzt an der Klinik für HNO-Krankheiten des St. Marienkrankenhaus in Frankfurt am Main.

Muss ich bei Hörsturz-Symptomen sofort zum Arzt?

Koeppe: Ein Hörsturz ist kein Notfall, sondern ein Eilfall. Betroffene müssen nicht, wie man früher glaubte, in wenigen Stunden in der Arztpraxis oder der Klinik sein. Aber Sie sollten auch nicht erst nach vier Wochen kommen. Zuständig ist der niedergelassene Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) oder die HNO-Abteilung einer Klinik. In die Klinik gehören vor allem schwere Fälle – wenn beispielsweise die Behandlung nicht anspricht oder wenn es um das letzte noch funktionstüchtige Ohr geht.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Koeppe: Man muss einige Untersuchungen machen, um sicher zu sein, dass ein Hörsturz vorliegt. Der HNO-Arzt spiegelt Nase, Ohren und Mund. Darüber hinaus führt er eine ausführliche Hörprüfung durch und testet eventuell die Beweglichkeit des Trommelfells. Beim ersten Hörsturz ist es ebenso sinnvoll, die Leitungsgeschwindigkeit des Hörnervs zu messen. Bei Schwindel nimmt der HNO-Arzt eine Schwindelprüfung vor.

Darüber hinaus sucht er nach Anzeichen einer Infektion und misst den Blutdruck. Neben dem HNO-Arzt führt bei Bedarf ein Internist oder Neurologe eine zusätzliche Untersuchung durch. Eine MRT-Aufnahme des Kopfes macht der Arzt in der Regel erst, wenn es wiederholt zu Hörstürzen kommt.

Wie behandelt der Arzt einen Hörsturz?

Koeppe: Er behandelt oft mit einer Infusionstherapie oder Medikamenten, um die Durchblutung in den Kapillaren zu verbessern. Erfahrungsgemäß kann das helfen, wirkliche Beweise dafür fehlen noch. Kortison wirkt, falls hinter dem Hörsturz ein Fehlreaktion des Immunsystems oder allergische und entzündliche Reaktionen stecken. Das genaue Vorgehen hängt von der Art des Hörsturzes ab.

Darüber hinaus müssen Menschen nach einem Hörsturz Stress abbauen. Manchmal hilft es Betroffenen sogar, nur ein Schlafmittel einzunehmen: Eine Nacht gut schlafen und am nächsten Morgen ist es wieder besser. Wichtig ist, den Hörtest zu wiederholen. Verschlechtert sich das Hören trotz Behandlung weiter, weist der Arzt den Patient normalerweise in eine Klinik ein. Betroffene sollten ihre Ohren vor allem vor Lärm schützen, einem der möglichen Auslöser von Hörstürzen.

Wie groß ist die Chance, dass die Beschwerden verschwinden?

Koeppe: In bis zu 70 Prozent der Fälle verschwinden die Beschwerden ohne Therapie teilweise oder ganz. Ein Tieftonhörsturz, bei dem Betroffene tiefe Brummtöne nicht mehr hören, bildet sich dabei in der Regel besser zurück, als beispielsweise ein Hochtonhörsturz.

Kann ich völlig taub werden?

Koeppe: Normalerweise nicht beim ersten Mal, aber bei wiederholten Hörstürzen können Betroffene schon langsam ertauben. Es können sich aber Ohrgeräusche entwickeln. Wenn das Gehör zurückkommt, überdauert unter Umständen noch ein Pfeifen. Es geht aber oftmals wieder weg.

Das Gleiche gilt für ein Ohrrauschen, über das viele Patienten klagen, wenn sie zum Arzt kommen. Sehr belastend ist es, wenn Geräuschwahrnehmungen bestehen bleiben. Vor allem wenn es genau die Frequenzen sind, die durch den Hörsturz ausfallen. Das muss ein Arzt behandeln.

Können sich Ohrgeräusche entwickeln?

Koeppe: Ja, häufig. Wenn das Gehör zurückkommt, kann ein Pfeifen noch etwas überdauern, es geht aber meistens wieder weg. Das gilt auch für ein Ohrrauschen, über das viele Patienten klagen, wenn sie zum Arzt kommen. Sehr belastend ist es, wenn Geräuschwahrnehmungen bestehen bleiben, besonders wenn es genau die Frequenzen sind, die durch den Hörsturz ausfallen. Das muss behandelt werden.

Quelle: Neue Apotheken Illustrierte, 1.1.2008

Foto: © Janina Dierks – Fotolia.com

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