Der sichere Weg zur letzten Zigarette

Es gibt viele Wege mit dem Rauchen aufzuhören.

Rauchen ist echt zum Abgewöhnen, doch den Durchhaltewillen brechen meist die körperlichen Entzugserscheinungen. Pflaster und Pillen helfen, diese in Grenzen zu halten – die Chance, der Zigarette Adieu zu sagen, ohne dass sie einem fehlt.

Deutschland im „blauen Dunst“

Rund 20 Millionen Bundesbürger rauchen Zigaretten, der Durchschnittsqualmer bringt es auf 15 pro Tag. Längst sind es nicht mehr nur Cowboys, die sich ums Lagerfeuer der Raucher-Community scharen, sondern immer öfter auch Girls. Jeder dritte Mann zieht am Glimmstängel – und mittlerweile jede fünfte Frau, Tendenz steigend. Bei den Zwölf- bis 18-Jährigen hat das weibliche Geschlecht die männlichen Altersgenossen bereits überholt.

Dabei gibt es gute Gründe, das Rauchen einzuschränken oder für immer einzustellen. Jede Zigarette verkürzt die Lebenserwartung um fünf Minuten, denn Rauchen ist Gift für die Durchblutung, lässt Gliedmaßen absterben, die amputiert werden müssen („Raucherbein“), und verschuldet bekanntlich Lungenleiden, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs.

Nicht zu vergessen die Gefahren in der Schwangerschaft: Raucherinnen beklagen öfter Fehl- und Totgeburten oder müssen als Mütter den plötzlichen Kindstod beweinen. Jährlich sterben weltweit etwa drei Millionen Menschen an den unmittelbaren Folgen des Rauchens. Genauso viele Todesopfer würden gefordert, wenn etwa im Flugverkehr jeden Tag 18 voll besetzte Jumbojets abstürzten. Ein Szenario, bei dem die meisten Menschen vermutlich sofort das Fliegen einstellen würden. Vom Tabak hingegen kommen die wenigsten los – weil sie süchtig nach Nikotin sind.

Psycho-Droge Nikotin

Das Tabakgift wirkt in nur sieben Sekunden aufs Gehirn und sorgt kurzzeitig für Hochgefühle. Nikotin stimmt nicht zuletzt friedlich und schärft die Aufmerksamkeit. Das Problem: Der Körper gewöhnt sich nach und nach an die Droge. Liegt die Kippe ausgedrückt im Aschenbecher, fällt der Nikotin-Pegel ab, und um aus dem Down he-rauszukommen, giert man nach neuer Rauchernahrung. Wird der Nikotinhunger nicht gestillt, liegen die Nerven blank.

Man vergeht vor Unruhe, kann sich nur schlecht konzentrieren, die Hände zittern, und nachts ist an Schlaf kaum zu denken. Nicht allein diese körperlichen Entzugserscheinungen machen es schwer, das Rauchen zu lassen. Auch seelisch hält die Nikotinsucht gefangen. Psychologen haben erkannt: Damit die letzte Zigarette wirklich die allerletzte bleibt, muss man das Gewohnheitsrauchen verlernen – in Stress-Situationen, im Straßencafé, nach dem Liebesspiel.

Leichter gesagt als getan, denn wo der Körper ständig nach Nikotin schmachtet, ist irgendwann der stärkste Wille gebrochen. Nikotin meiden wie der Teufel das Weihwasser und gleichzeitig den Entzug verkraften – beides auf einmal ist vielen Rauchern zu viel. Besser also eins nach dem andern in Angriff nehmen, das ist aussichtsreicher als jede Gewaltkur.

Den Weg aus der  Sucht pflastern

Den schrittweisen Entzug erleichtern moderne Rauchstopp-Systeme aus der Apotheke. Sie stimmen den Körper nach der letzten Zigarette ruhig, indem sie weiter Nikotin zuführen und behutsam die Dosis auf Null herunterfahren. Bewährt haben sich rezeptfreie Nikotinpflaster, die durch die Haut bis zu 24 Stunden lang stets die gleiche Menge Nikotin abgeben und so den Pegel stabil halten. Im Laufe der zwei- bis dreimonatigen Anwendung fällt es zunehmend leichter, sich den Griff zur Zigarette zu verkneifen.

Wer trotz des Pflasters nach Tabak schmachtet, sollte ein höher dosiertes aufkleben, allerdings erst nach ärztlicher Erlaubnis. In Frage kommen für solche Fälle auch Nikotinkaugummis, Nikotintabletten, die sich unter der Zunge auflösen oder gelutscht werden, und besonders rasch wirkendes nikotinhaltiges Nasenspray (nur auf Rezept).

Wichtig: Wer doch wieder mit dem Rauchen anfängt, muss die Mittel absetzen, um nicht im Übermaß Nikotin zuzuführen. Andernfalls drohen Vergiftungserscheinungen; Herz und Kreislauf, Magen und Darm werden stark belastet.

Vorsicht, Gewichtszunahme!

Während der Körper Abschied vom Nikotin nimmt, hilft ein Entwöhnungsplan dabei, die mit dem Rauchen verknüpften Schlüsselsituationen und Rituale zu erkennen und den Versuchungen des Alltags zu widerstehen. Unterstützung gewähren Hausarzt und Apotheker, die im persönlichen Gespräch beraten und schriftliches Infomaterial bereithalten.

Bestimmt klappt’s dann auch mit den Pfunden. Etwa zwei von drei Exrauchern legen an Gewicht zu, weil die Appetitbremse Nikotin wegfällt, im Durchschnitt 2,5 Kilo. Daran schuld ist zudem der veränderte Stoffwechsel – der Körper verbrennt nach dem Rauchstopp anfänglich weniger Kalorien – in erster Linie aber zu gehaltvoller Zigarettenersatz. Zum Ausgleich also nicht Schokolade, sondern besser Karotten oder Äpfel knabbern, viel Wasser trinken, um den Magen zu füllen und kein Hungergefühl aufkommen zu lassen.

Rauchstopp ohne Nikotin

Bleibt das Problem, dass nur jeder fünfte frisch gebackene Nichtraucher das erste Jahr Abstinenz ohne Rückfall übersteht, trotz Nikotinersatz-Therapie. Eine bessere Bilanz verspricht eine Pille gegen das Rauchen, die ganz ohne Nikotin auskommt, aber dessen Wirkungen aufs Gehirn nachahmt. Sie enthält den Wirkstoff Bupropion und wurde ursprünglich gegen Depressionen verschrieben.

Heute vertreibt sie neben trüben Gedanken auch die Lust auf Zigaretten, bei schwachen Entzugssymptomen und minimalem Suchtrisiko. Die Nebenwirkungen sind allerdings nicht ohne, reichen von Erbrechen und Kopfschmerzen bis zu Angstzuständen. Das Medikament muss ärztlich verordnet und aus eigener Tasche bezahlt werden, wenn es der Raucherentwöhnung dient (Kosten pro Tag: ca. drei Euro).

Zeigt es binnen sieben Wochen keine Wirkung, wird die Behandlung abgebrochen. Der Effekt ist am deutlichsten, wenn Bupropion mit Verhaltenstherapie und Nikotinpflaster kombiniert wird; Angaben zur Erfolgsquote schwanken hier zwischen 22 und 35 Prozent.

So halten Sie durch

  • Legen Sie ein Datum fest, an dem Sie definitiv mit dem Rauchen aufhören wollen, und markieren Sie den Tag im Kalender. Am besten wählen Sie einen Zeitpunkt, an dem Sie ganz gelassen sein können, zum Beispiel während des Urlaubs.
  • Suchen Sie sich Verbündete, die Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen, das Rauchen endgültig aufzugeben. Informieren Sie Freunde, Bekannte, Kollegen, damit Ihnen künftig niemand mehr eine Zigarette anbietet – und damit Sie sich in Gegenwart anderer unter Kontrolle haben, weil Sie nicht als „Versager“ dastehen wollen.
  • Schließen Sie mit guten Freunden Geldwetten ab, dass Sie wirklich vom Rauchen loskommen. Je höher Ihr Einsatz, desto schmerzvoller das Scheitern – und umso stabiler der Durchhaltewille.
  • Vor allem anfänglich ist Ablenkung angesagt. Legen Sie Dinge bereit, die Ihre Hände beschäftigen (Puzzlespiel, Kreuzworträtsel, Strickzeug). Nicht zuletzt bringt Sport auf andere Gedanken. Studien haben sogar gezeigt, dass viel Bewegung die Chancen verdoppelt, Nichtraucher zu werden und zu bleiben, weil z. B. Radeln ähnliche Glückshormone freisetzt wie das Nikotin.
  • Meiden Sie einige Wochen alle Orte, die zum Rauchen verführen, auch die Teeküche im Büro oder die Stammkneipe. Machen Sie einen Bogen um Festivitäten mit Umtrunk, denn Alkohol und Zigaretten sind Zwillinge – einer kommt selten allein.
  • Gönnen Sie sich für jeden Tag, den Sie nicht geraucht haben, eine kleine Belohnung, zum Beispiel einen Kinobesuch. Das geht meist weniger ins Geld, als wenn Sie weiter geraucht hätten – für täglich eine Schachtel Zigaretten gibt man im Jahr fast 1500 Euro aus.

Quelle: Ratgeber aus Ihrer Apotheke

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