Akupunktur kann die Geburt beschleunigen

Akupunktur am Bein kann die Geburt beschleunigen.

Vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt die vorbereitende Akupunkturbehandlung. Unsere Autorin Natascha Walys hat sich für Ja Zum Baby „nadeln” lassen.

Den Raum betrete ich erwartungsvoll. Es herrscht behagliche Atmosphäre dank gedämpftem Licht und leiser Plauderei. Mein Blick bleibt an einer der jungen Frauen hängen – ihr Bauch ist ebenso rund wie meiner, aber ihre Beine sind bereits mit Nädelchen gespickt. Obwohl sie sehr entspannt und sogar fast vergnügt wirkt, spüre ich jetzt doch ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Akupunktur nach Mannheimer Schema

Jolanta, meine Hebamme, scheint meine Gedanken erraten zu haben. „Es sieht schlimmer aus, als es ist”, begrüßt sie mich lächelnd. Seit mehr als sechs Jahren praktiziert sie die alte chinesische Kunst des Nadelsetzens für eine sanftere und schnellere Geburt. Vor der ersten Sitzung in der 36. Schwangerschaftswoche gehören leichte Skepsis und ein bisschen Angst zur Tagesordnung, beruhigt sie mich.

Erst nachdem ich es mir bequem gemacht habe und die Nervosität wieder etwas von mir abgefallen ist, erklärt sie mir ausführlich, was mich in den kommenden zwanzig Minuten erwartet. „Wie du bereits gesehen hast, setze ich die Nadeln nach einem bestimmten Schema am Bein und am Fuß.

Dieses Schema wird Mannheimer Schema genannt, denn an der dortigen Uniklinik wurde in einer umfangreichen Studie bewiesen, dass akupunktierte Frauen gegenüber nicht akupunktierten den Vorteil einer um etwa zwei Stunden verkürzten Geburtszeit genossen. Die Akupunktur bewirkt, dass der Gebärmutterhals kürzer und weicher wird und der Muttermund sich sogar häufig schon zwei bis drei Zentimeter öffnet.”

Strom im Bein?

Die Hebamme ertastet zunächst gezielt den ersten Punkt – Ma. 36 – mit den Fingern. Ich verspüre zwar den Druck, doch ungewöhnlich erscheint er mir nicht. Die Nadel folgt. Der Einstich fühlt sich so an, wie ich es erwartet habe. Keine Sensation. Nichts, was dramatisch schmerzhaft wäre. Auch kein Kribbeln. Jolanta setzt die Nadel noch einen Hauch tiefer. Und da ist es, das Gefühl, als würde Strom durch mein Bein fließen!

Sonderbar dumpf empfinde ich es. Jolanta klärt mich darüber auf, dass diese Empfindung mit der Nadelwirkung gekoppelt ist und sogar einen Namen besitzt: de qi. Es folgen am gleichen Bein zwei weitere Punkte und das Phänomen bleibt ein treuer Begleiter. Natürlich auch am anderen Bein. Fasziniert horche ich auf dieses sonderbare Kribbeln in mir.

Doch zwanzig Minuten können lang werden. Ich schaue zum ersten Mal genauer in die Runde. Inzwischen sind sechs Mamas in spe bereits vernadelt. Mir fällt auf, dass alle außer mir auch noch eine Nadel im kleinen Zeh stecken haben. Sollte Jolanta sie bei mir etwa vergessen haben? Ich hake nach, auch wenn mir diese Stelle ganz und gar unsympathisch erscheint und ich auf diese beiden Nadeln gern verzichten möchte. Darf ich auch.

Akupunktur hilft bei Schwangerschaftsbeschwerden

In dieser und in der kommenden Woche wird der Zeh noch verschont, verspricht mir Jolanta. Die anderen befinden sich alle schon mindestens in der 38. Schwangerschaftswoche. Jetzt komme ich mit meinen Mitstreiterinnen ins Gespräch und der Rest der Zeit vergeht dabei wie im Flug. Ich erfahre, dass Jolanta einigen bereits seit Beginn ihrer Schwangerschaft mit ihren profunden Akupunkturkenntnissen zur Seite steht.

Ihre Piekser haben Übelkeit und Erbrechen ebenso erfolgreich therapiert wie Wassereinlagerungen oder bei der Entwöhnung von den geliebten Nikotinstängeln geholfen. Während Jolanta betont, dass vor all diesen Finessen eine vernünftige Beratung stehen muss, zieht sie mir die Nadeln. Unspektakulär und fast angenehm empfinde ich diesen Abschluss. In der kommenden Woche werde ich ganz entspannt zu meiner zweiten Sitzung erscheinen.

Diese zweite Akupunktur sollte gleichzeitig meine letzte werden. Mein Sohn hatte es eilig, die Welt außerhalb seines kleinen Bauchreichs kennen zu lernen und ersparte mir die Erfahrung des Nadelns am kleinen Zeh.

Auch wenn die Erinnerung an die Wehenschmerzen rasch verblasst –, ich brauchte keine Schmerzmittel – würde ich mich immer wieder für die geburtsvorbereitende Akupunktur entscheiden.

Das sollten Sie über Akupunktur wissen

Hierzulande gehört sie immer noch zu den alternativen Heilkünsten. In China setzt die Medizin schon seit Jahrtausendenden auf ihre Heilkraft.

Der Begriff Akupunktur setzt sich aus den Wörtern acus = Nadel und pungere = stechen zusammen. Die Therapie mit den Nadeln ist eine Jahrtausende alte chinesische Lehre. Sie geht davon aus, dass Energie in bestimmten Bahnen, den so genannten Meridianen, durch den Körper fließt. An über 700 Punkten gelangt diese Energie an die Hautoberfläche. Wird der Energiefluss gestört, z. B. durch körperliche Überanstrengung, seelische Belastung oder verkehrte Ernährung, zeigt der Körper dies durch Krankheit bzw. Schmerz an.

Gelingt es, den Fluss über die entsprechenden Hautpunkte zu harmonisieren, verspricht dies schnelle Linderung. Dazu werden die Akupunkturpunkte, die entlang der entsprechenden Meridiane liegen, durch einen sanften Reiz mithilfe der Nadel aktiviert. Durch den Reiz werden die den Punkten zugeordneten Organe zur Selbstheilung angeregt.

Akupunktur kann auch typische Wehwehchen und Beschwerden in der Schwangerschaft lindern:

-Schwangerschaftserbrechen

-Sodbrennen

-Verspannungen

-Ischiasbeschwerden

-Schlafstörungen

-Kopfschmerzen, Migräne

-Wassereinlagerungen

-Allergien

-Infektionen

-Vorzeitige Wehen

-Raucherentwöhnung

-Infektionen der Blase

-Hämorrhoiden

-Beeinflussung ungünstiger Kindslagen, z. B. Beckenendlage

-Geburtsvorbereitung

-Geburtserleichterung

-Schmerzen im Wochenbett, z. B. durch Dammschnitt

-Psychische Störungen im Wochenbett

-Förderung der Milchbildung

-Milchstau oder Brustentzündung

-Verzögerte Rückbildung der Gebärmutter

Quelle: Ja zum Baby 2/05

Foto: © yuuuu – Fotolia.com

RWG Redaktion

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