Amalgam entfernen lassen?

Ein Gebiss aus Kunststoff mit Plomben

Amalgam ist eine Legierung, die Zahnärzte zum Füllen von kaputten Zähnen verwenden. Sie besteht zur Hälfte aus giftigem Quecksilber und ist deshalb sehr umstritten. Prof. Meyer, Prof. Schmalz und Dr. Dreesen beantworten Fragen zum Thema Amalgam.

Warum verwenden Zahnärzte Amalgam, wenn darin Quecksilber enthalten ist?

Prof. Meyer: Amalgam kommt seit über 150 Jahren zum Einsatz. Bisher gibt es für die schädlichen Effekte von Quecksilber aus Amalgam-Füllungen keine wissenschaftlichen Belege. Für Amalgam sprechen dagegen diese gut untersuchten Fakten: Es ist leicht zu verarbeiten sowie extrem bruch- und druckfest.

Darüber hinaus ist es oftmals mehr als fünfzehn Jahre haltbar. Amalgam wirkt bakteriostatisch, das heißt, es hemmt die Vermehrung von Karies-Bakterien. Für die Krankenkassen ist es günstig und Sie müssen als Patient nichts dazuzahlen. Bei Frontzähnen setzen wir Amalgam aus ästhetischen Gründen natürlich nicht ein.

Soll ich intakte Amalgam-Füllungen entfernen lassen?

Prof. Meyer: Nein, für die Entfernung gibt es keinen wissenschaftlichen Grund. Das Gleiche gilt für Ausleit-Therapien: Sie sind nur bei echten Vergiftungen mit Quecksilber sinnvoll. Dazu müssen Sie aber ins Krankenhaus und bekommen dort spezielle Medikamente. Ausleit-Therapien durch Heilpraktiker sind dagegen wissenschaftlicher Unsinn, deren Effekt nicht nachweisbar ist.

Dr. Dreesen: Wer kein Amalgam als Füllung haben möchte, kann sich gegen Zuzahlung Inlays aus Keramik, Gold oder Füllungen aus Komposite (Kunststoffe) einsetzen lassen. Vor der Entfernung sollten Sie mit dem Zahnarzt klären, dass er eine exakte Kühlung am Bohrer verwendet, damit möglichst wenig giftige Quecksilber-Dämpfe entstehen. Nebelabsauger verhindern, dass man eventuelle Quecksilber-Dämpfe einatmet.

Wie reagiert der Körper auf Quecksilber?

Prof. Schmalz: Viele Studien belegen, dass Amalgam-Füllungen den Körper nicht mit Quecksilber vergiften. Dazu sind die freigesetzten Mengen zu gering. Für Beschwerden, die Amalgam angeblich hervorruft, wie chronische Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen, finden sich oft andere Ursachen. Allerdings kann man in seltenen Fällen auf die winzigen Konzentrationen allergisch reagieren, wie sie im Mund mit Amalgam-Füllungen vorkommen.

Prof. Meyer: Bei einer echten Amalgam-Vergiftung, etwa durch einen Arbeitsunfall, reagiert der Körper mit Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Sehstörungen und Lähmungen. Amalgam kann in kleinen Mengen in den Körper gelangen. Beim Kauen und Zähneputzen werden sowohl vom natürlichen Zahnschmelz als auch von jeder anderen Zahnfüllung mikroskopische Spuren freigesetzt.

Bezogen auf Quecksilber bedeutet das: Bei zwölf mittelgroßen Amalgam-Füllungen nimmt man etwa 1,7 µg pro Tag auf. In vierzig Jahren sind das 25 mg. Einer kanadischen Untersuchung zufolge erreicht ein Mensch mit zehn Amalgam-Füllungen nur zwei Prozent des von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) festgelegten Grenzwertes für Quecksilber. Zum Vergleich: Diese Werte unterscheiden sich kaum von Menschen ohne Amalgam-Füllungen.

Quelle: plus Magazin 10/2010

Foto: © Luis Santos – fotolia.com

RWG Redaktion

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