Blasenschwäche – Rezepte für eine starke Blase

Frauen beim Beckenbodentraining

Blasenschwäche ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern auch eine psychische Belastung. Die gute Nachricht: Wirksame Medikamente und gezieltes Blasentraining versprechen Erfolg. Schätzungsweise sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Blasenschwäche, in der Fachsprache als Harninkontinenz bezeichnet. Überwiegend Frauen sind betroffen, viele schon in jungen Jahren.

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Doch obwohl die Krankheit so weit verbreitet ist und sich gut behandeln lässt, verschweigen viele ihr Leiden hartnäckig. Sie schämen sich, ihre Blase nicht mehr kontrollieren zu können. So zögern sie den notwendigen Arztbesuch immer weiter hinaus. Fatale Folge: Die Beschwerden verstärken sich, die Angst vor peinlichen Situationen wächst. Viele Betroffene ziehen sich immer weiter aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, weil sie ein weiteres „Missgeschick“ befürchten.

Suchen Sie gezielt Hilfe

„Schluss mit falscher Scham und faulen Kompromissen“, fordern Experten deshalb. Sie wollen Betroffene ermutigen, so früh wie möglich den Arzt aufzusuchen. Denn nur Patienten, die mit dem Arzt über die Blasenschwäche sprechen, erhalten eine exakte Diagnose und eine gezielte Therapie. Und eine Therapie gegen Blasenschwäche zeigt immerhin bei neun von zehn Patienten Erfolge.

„Es spielt keine Rolle, ob dabei der Frauenarzt oder Urologe als erster Ansprechpartner fungiert oder vielleicht zunächst der Hausarzt angesprochen wird, der auch an einen Experten weiter vermitteln kann“, erläutert Dr. Gert Naumann, Urogynäkologe an der Universität Mainz. „Wichtig ist vor allem, dass eine Behandlung eingeleitet wird.“

Zunächst wird der Arzt den Ursachen und Auslösern der Harninkontinenz auf den Grund gehen. Bei Frauen sehr verbreitet ist die so genannte Belastungsinkontinenz. Dabei rufen körperliche Anstrengungen den ungewollten Harnverlust hervor. Betroffene verlieren beispielsweise beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Treppensteigen Harn. Ursache des Leidens bildet oft eine Schwäche des Blasenschließmuskels.

Auch Männer sind betroffen

Von der Belastungsinkontinenz unterscheiden Mediziner die Dranginkontinenz, bei der starker Harndrang den unwillkürlichen Urinverlust begleitet. Betroffene schaffen es oft nicht mehr, die Toilette rechtzeitig zu erreichen. Das gleichzeitige Auftreten von Belastungs- und Dranginkontinenz bezeichnen Ärzte als Mischinkontinenz.

Hauptsächlich bei Männern tritt die so genannte Überlaufinkontinenz auf, deren Ursache oftmals eine gutartige Prostatavergrößerung ist. Trotz voller Blase wird beim Wasserlassen nur wenig Urin abgegeben, so dass große Restharnmengen zurückbleiben. Dies führt schließlich zu einem unkontrollierten Überlaufen der Blase. Ist das Zusammenspiel des harnaustreibenden Muskels und des Blasenschließmuskels gestört, sprechen Mediziner von einer Reflexinkontinenz.

Behandlung nach Maß

Von Art und Ausmaß der Erkrankung hängt die gezielte Therapie ab. Medikamente, die der Arzt verordnet, sind ein wichtiger Baustein der Behandlung. Vor allem bei der Belastungsinkontinenz wird die medikamentöse Therapie durch gezieltes Beckenboden-Training ergänzt. Zur Stärkung der Blasenfunktion haben sich pflanzliche Arzneimittel bewährt, die es ohne Rezept in der Apotheke gibt. Sie enthalten beispielsweise Wirkstoffe aus Arzneikürbis, Hopfen und Gewürzsumach.

Um der Blase die Arbeit zu erleichtern, ist darüber hinaus immer auch die Eigeninitiative des Patienten gefragt. Wichtig ist es beispielsweise, trotz schwacher Blase viel zu trinken. Anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit, am besten Wasser und Kräutertee, sollten es schon sein: Das spült die Blase gut durch und schützt vor Blasensteinen und Infektionen. Mit harntreibenden Getränken wie Kaffee, schwarzem Tee und Bier sollten Betroffene eher zurückhaltend umgehen.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, überflüssige Kilos konsequent abzubauen. Denn Übergewicht belastet den Beckenboden enorm. Eine kalorienreduzierte und ballaststoffreiche Ernährung sowie ein individuell dosiertes Sportprogramm helfen, Übergewicht loszuwerden.

Trainieren Sie Ihren Beckenboden!

Sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von Harninkontinenz spielt Beckenboden-Training eine Hauptrolle. Vor allem Frauen mit Belastungsinkontinenz kommen an spezieller Gymnastik zur Stärkung der Beckenboden-Muskulatur nicht vorbei. „Durch gezielte krankengymnastische Übungen wird die Bauchdecken-, Zwerchfell- und Beckenmuskulatur gekräftigt“, erklärt Apotheker Martin Katzenbach das Ziel der Therapie.

Die Muskeln des Beckenbodens sind für eine einwandfreie Blasenfunktion unerlässlich. Sie halten die Blase in „Position“ und stützen die Harnröhre. Grundsätzlich besteht der Beckenboden aus drei Muskelschichten. „Diese haben die nicht ganz leichte Aufgabe, den gesamten komplizierten Beckenausgang wirksam, aber flexibel zu verschließen“, schreibt die Diplom-Biologin und Heilpraktikerin Irene Lang-Reeves.

Durch unterschiedliche Einflüsse kann die Muskulatur des Beckenbodens jedoch schwächer werden. Dazu gehören Schwangerschaft, hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren, Übergewicht, ständige Fehlhaltung oder chronischer Husten. All das beeinträchtigt unter Umständen die Kontrolle des Blasenschließmuskels. Unwillkürlicher Harnverlust bei körperlicher Anstrengung ist dann die Folge.

Wie Sie die Beckenboden-Muskulatur konsequent und erfolgreich kräftigen können, erlernen Sie beispielsweise in speziellen Kursen an Volkshochschulen oder in Sportstudios. Am effizientesten ist das Beckenboden-Training in der Praxis eines Physiotherapeuten. Einfache, aber effektive Übungen für den Alltag stellt Irene Lang-Reeves in ihrem Ratgeber „Beckenboden – Wie Sie den Alltag zum Training nutzen“ vor.

Inkontinenzhilfen: Sicher durch den Tag

Sie sind unauffällig, saugstark und bequem zu tragen – spezielle Inkontinenzhilfen aus der Apotheke sorgen für Sicherheit und Flexibilität im Alltag. Mittlerweile gibt es für jedes Blasenproblem maßgeschneiderte Einlagen oder Einweghosen, die unangenehme Geruchsbildung zuverlässig verhindern und super-sanft zur Haut sind.

Wer unter einer leichteren Blasenschwäche leidet, ist mit Inkontinenzeinlagen auf der sicheren Seite. Im Gegensatz zu herkömmlichen Damenbinden sind diese formstabilen „Spezialisten“ in der Lage, größere Mengen des im Vergleich zu Blut dünnflüssigeren Urins aufzunehmen. Diese Einlagen gibt es sowohl für Frauen als auch für Männer. Viele Betroffene sind nur so lange auf diese Helfer angewiesen, bis die medikamentöse Therapie ihre Wirkung zeigt.

Ist die Blasenschwäche stärker ausgeprägt, eignen sich beispielsweise praktische Einweghosen mit extrem saugfähigem Kern, die Sie einfach anstelle der normalen Unterwäsche tragen. Welche Inkontinenzhilfen im Einzelfall ideal sind, weiß man in Ihrer Apotheke: Dort berät man Betroffene diskret und individuell. Mehr Informationen über Blasenschwäche bietet unter anderem die Deutsche Seniorenliga.

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RWG Redaktion

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