Harninkontinenz – Aktiv gegen Blasenschwäche

Ein Harnkatheter aus Kunststoff

Harninkontinenz ist belastend. Was viele Betroffene nicht wissen: Es bestehen erfolgreiche Behandlungsmethoden für diese Krankheit. Darüber zu sprechen fällt vielen Menschen heute noch schwer.

Zu den letzten Tabus unserer Zeit zählt die Harninkontinenz. Dabei handelt es sich um das Unvermögen, die Blase zu kontrollieren. Unzähligen Menschen macht eine schwache Blase zu schaffen. Viele von ihnen leiden jahrelang stumm, ohne sich beim Arzt und in der Apotheke Hilfe zu holen.

Jahrelanger Leidensweg

Ellen Voss blickt auf einen langen Leidensweg zurück. Die Harninkontinenz trat erstmals nach der Geburt ihres ersten Kindes auf. „Ich habe das Problem geheim gehalten und niemandem davon erzählt“, erinnert sich die 40-Jährige. Über Jahre verbarg Ellen Voss das „peinliche Problem“ hinter Binden und Vorlagen. Sie vertraute sich nicht einmal dem Arzt an. „Ich hatte Angst, etwas könnte passieren und war vorsichtig“, erzählt die zweifache Mutter.

Immer hielt sich Ellen Voss in WC-Nähe auf, um im „Notfall“ die Wäsche wechseln zu können. Durch eine Fernsehsendung erfuhr die Hausfrau von den Behandlungsmöglichkeiten für Harninkontinenz. Sie entschloss sich zum überfälligen Arztbesuch. Der auf Blasenprobleme spezialisierte Frauenarzt diagnostizierte eine Belastungsinkontinenz: Dabei kommt es bei körperlicher Anstrengung – z.B. beim Husten, Lachen, Heben oder Treppensteigen – zu Harnverlust.

Jede zweite Frau mit schwacher Blase leidet unter dieser Harninkontinenz. Hier sind die Beckenbodenmuskulatur und der Blasenschließmuskel geschwächt. Durch Beckenbodentraining und eine medikamentöse Therapie gelang es Ellen Voss die Linderung: Harn verliert sie nur in Ausnahmesituationen. „Meine Lebensqualität hat sich verbessert“, zieht sie Bilanz. „Ich kann wieder überall hingehen, ohne ständig ein WC zu brauchen.“ Jedem Betroffenen empfiehlt Ellen Voss, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Diskreter Rat aus der Apotheke

Ein diskreter Ansprechpartner bei Harninkontinenz ist der Apotheker. Er weiß über Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten bescheid. Vereinbaren Sie in der Apotheke einen persönlichen Beratungstermin außerhalb des „Alltagsgeschäftes“ oder informieren Sie sich telefonisch.

Gegen akuten Harnverlust gibt es in der Apotheke spezielle Inkontinenzhilfen. Dahinter verbergen sich Ein-, Vorlagen und Inkontinenzslips. Sie sind anders als normale Binden extrem saugfähig und nehmen Gerüche zuverlässig auf. Um das übel an den Wurzeln zu packen, führt jedoch kein Weg an der Arztpraxis vorbei.

Besuch beim Arzt ist Pflicht

Der Mediziner geht den Ursachen der Harninkontinenz auf den Grund gehen, um andere Erkrankungen auszuschließen und  die exakte Form der Harninkontinenz festzustellen. Neben der Belastungsinkontinenz ist die sog. „Dranginkontinenz“ weit verbreitet. Jede fünfte inkontinente Frau leidet unter dieser Krankheit.

Hier begleitet starker Harndran den unwillkürlichen Urinverlust. Betroffenen gelingt es meist nicht rechtzeitig, die Toilette zu erreichen. Neben der reinen Belastungs- oder der Dranginkontinenz treten bei älteren Menschen oft Mischformen beider Krankheiten auf.

Behandlung nach Maß

Zur Therapie der Belastungsinkontinenz stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Eine wichtige Methode bildet das gezielte Beckenbodentraining. Spezielle Gymnastikübungen kräftigen die Muskulatur und geben so Blase und Harnröhre Halt. Pessare stoppen das ungewollte Tröpfeln. Sie führen diese besonders geformten Kunststoffteile in die Scheide ein. Sie stützen von dort die Harnröhre.

Zur Behandlung von Belastungsinkontinenz gibt es ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es regt die Kontraktion der Schließmuskeln an. Hilfe bei Dranginkontinenz verspricht gezieltes Toilettentraining und die Behandlung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Neben herkömmlichen Tabletten gegen Dranginkontinenz gibt es wirkstoffhaltige Pflaster.

Foto: © Sherry Young – Fotolia.com

RWG Redaktion

RWG Redaktion

© Wellness-Gesund 2004-2015
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Wellness-Gesund – Redaktion.