Besser leben mit Diabetes – Ist Süßes tabu?

Zucker ist nicht gleich Zucker.

Für Menschen mit Diabetes ist Zucker Gift: Diese Überzeugung hält sich hartnäckig, doch sie ist falsch. Diabetiker dürfen sich ebenso Süßes gönnen – allerdings gilt wie immer: Die Dosis macht das Gift.

Ausgewogene Ernährung für Diabetiker

Früher haben Ärzte bei Diabetes eine strenge Diät verordnet und damit manchem Zuckerkranken ein chronisch schlechtes Gewissen beschert. Die Lust auf Süßes ist angeboren. Sie hat unsere Ururahnen davor geschützt, unreife Früchte und unbekömmliche (bittere) Beeren und Blätter zu vertilgen.

Nun leben wir nicht mehr in der Steinzeit und leiden eher unter einem Überangebot an zuckerhaltigen Nahrungs- und Genussmitteln. Da fällt der ständige Verzicht schwer und löst so manche heimliche Naschorgie aus. Dabei gilt das Zuckerverbot heute als überholt. Stattdessen raten Ärzte zu einer ausgewogenen Ernährung, wie sie ebenso gesunden Menschen empfohlen wird.

Zucker und Fett: Die Menge macht’s

Verbote gibt es nicht. Einzige Einschränkung: Insulinpflichtige Diabetiker müssen ihre Insulindosierung den Essenswünschen anpassen und regelmäßig den Blutzucker messen. Bei Übergewicht ist aber Vorsicht mit Süßem geboten. Das gilt vor allem für Typ-2 Diabetiker mit zu viel Hüftgold:

Theoretisch dürfen sie zuckerhaltige Lebensmittel verzehren. Jedoch macht sich das auf der Waage bemerkbar: Viele Süßigkeiten und Kuchen sind sehr fetthaltig. Und jedes Pfund Übergewicht verschlechtert die Blutzuckerwerte. Zu viel gesättigte Fette erhöhen darüber hinaus die Blutfettwerte und das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Und das ist bei Diabetikern an sich schon erhöht.

Wie viel Zucker darf es sein?

Am besten 30 Gramm Zucker pro Tag (das entspricht zwei leicht gehäuften Esslöffeln) bis maximal 50 Gramm. Laut Deutscher Diabetes-Gesellschaft (DDG) sollte der Zuckeranteil bei etwa 10 Prozent der täglich aufgenommen Energiemenge liegen. Denken Sie dabei ebenso an den versteckten Zucker in vielen Lebensmitteln und Tiefkühlprodukten. Um den Blutzuckerspiegel nicht übermäßig in die Höhe zu treiben, sollten Sie auf Zucker in Kaffee, Tee und Limonaden verzichten.

Greifen Sie zu Alternativen. „Verpacken“ Sie normalen Zucker lieber in gesunde Desserts oder leichte Kuchen, weil dadurch der rasche Blutzuckeranstieg hinausgezögert wird. Bei Übergewicht sollten Sie vorwiegend künstliche Süßen verwenden. Denn nicht die Süße ist an der „Zuckerkrankheit“ schuld: Die vielen Kalorien in einer stark zucker- und fetthaltigen Ernährung und Bewegungsmangel lösen Diabetes vom Typ 2 aus.

Süßstoffe und andere Alternativen

Der große Vorteil von Süßstoffen: Sie enthalten keine Kalorien und können wie Zucker verwendet werden. Dabei erhöhen sie den Blutzuckerspiegel nicht. Obendrein sind sie zahnfreundlich und verursachen keine Karies. Süßstoffe haben eine erheblich größere Süßkraft als Zucker. Sie sind in flüssiger Form, in Tabletten oder als Streusüße erhältlich: Eine Süßstofftablette ersetzt einen Teelöffel Zucker. Ein Teelöffel Flüssigsüße oder Zuckerersatzstoff entspricht vier gehäuften Esslöffeln Zucker.

„Außer Aspartam sind alle Süßstoffe koch- und backfest“, versichert Fernsehkoch Johan Lafer. Nur bei Rühr- und Biskuitteig gibt es Probleme: Dort sorgt der Zucker nicht nur für Süße, sondern ebenso für Volumen und Masse. Süßen Sie diese Teigsorten am besten zur Hälfte mit Haushaltszucker und zur Hälfte mit Süßstoff.

Zuckeraustauschstoffe wie Fruchtzucker (Fruktose), Isomalt, Xylit oder Sorbit schmecken süßer als Zucker und haben auf den Blutzuckerspiegel kaum Auswirkungen. Dafür ist ihr Kaloriengehalt genauso hoch wie der von herkömmlichem Zucker. Sie sind Bestandteil vieler so genannter Diätsüßigkeiten und von Diätgebäck: Produkte, die trotz allem nicht weniger Kalorien und Fett enthalten als normale Süßigkeiten.

Moderne Diabetesernährung

Wer abnehmen will, sollte deswegen auf solche, obendrein noch teuren Produkte verzichten. In der modernen Diabetesernährung spielen Zuckeraustauschstoffe kaum noch eine Rolle. Vor allem bei Biofans beliebt sind Zuckersirup, Ahornsirup sowie Apfel- oder Birnendicksaft. Sie enthalten zum Teil Zuckerarten, die noch langsamer ins Blut übergehen als Fruktose.

Dagegen enthält Honig sowohl Fruktose als auch Glukose und geht dadurch schneller ins Blut über. Und brauner Zucker ist im Endeffekt karamellisierter Haushaltszucker. Alle diese Süßmacher haben genauso viele Kalorien wie normaler Zucker.

Zucker mit Tarnkappe

Man sieht ihn nicht, und er schlägt trotzdem zu Buche. Bei süßen Limonaden, Cola, Eistee und süßen Säften ahnt noch jeder, dass sie flüssige Zuckerbomben sind. Stimmt: Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass sie dick machen und Karies begünstigen. Alkoholika, denen Zucker zugesetzt ist, lassen den Blutzuckerspiegel ebenso steigen.

Aber wussten Sie, dass die Hälfte aller industriell hergestellten Lebensmittel Zucker enthält? Tomatenketchup zum Beispiel (30 Prozent), Chili-Bohnen (15 Prozent) und Leberwurst, die obendrein ordentlich Fett liefert. Das Gleiche gilt für viele Tiefkühlgerichte und Salatdressings. Dadurch wird unser Geschmack unbemerkt immer „süßer“: In Frühstücksflocken, Brot und Dosenfrüchten steckt heute doppelt so viel Zucker wie vor zehn Jahren.

Wer auf die Zutatenliste der Verpackung schaut, wird nicht schlauer: Zucker hat viele Namen. Ob Saccharose (Haushaltszucker), Maltose (Malzzucker), Laktose (Milchzucker) oder andere Varianten: Die Endung „-ose“ steht oft für eine Zuckerart. Künftig muss auf jeder Packung gut verständlich die enthaltene Zucker- und Fettmenge verzeichnet sein. Schauen Sie nach!

Buchtipp: Feinschmeckerküche für Diabetiker

Tolle Rezepte eines Starkoch selbst zubereiten – das klappt mit dem neuen Kochbuch von Johann Lafer. Endlich mit gutem Gewissen schlemmen? „Das geht auch, wenn man Diabetes hat“, betont Lafer. Der Spitzenkoch ist vielen aus dem Fernsehen bekannt und hat speziell für das Leben mit Diabetes einige edle, leichte Menüs komponiert.

Mit den Leckereien machen Sie auch bei Freunden ohne Diabetes Furore. Das Kochbuch enthält schöne Fotos, 45 anschauliche Rezepte und viel Wissenswertes rund um die Krankheit. Buchtipp: Johann Lafer: Das Diabetes-Journal-Kochbuch.

Naschkompass: Schokolade, Kuchen und vieles mehr

Wenn Sie Appetit darauf haben, gönnen Sie sich ruhig eine Mini-Portion Ihrer Lieblings-Süßigkeit: In aller Ruhe und am besten nach dem Essen genießen, dann fällt das Aufhören leichter. Süßigkeiten auf leeren Magen verstärken dagegen den Appetit. Und weil süß nicht gleich süß ist, hier Tipps fürs intelligente Naschen.

  1. Schokolade: Lieber bittere Sorten mit mindestens 60 Prozent Kakao und hochwertiger Kakaobutter wählen. Vollmilch-Sorten lassen mehr Platz für Zucker und Milchfett. Weiße Schokolade enthält keinen wertvollen Kakao, dafür viel Fett und Zucker. Schokoriegel sind Kalorienbomben. Alternative: Eine Tasse Kakao – wählen Sie den „richtigen“ Kakao zum Kochen, nicht die Instant-Variante, die zum Großteil aus Zucker besteht.
  2. Kuchen: Am besten ist Hefeteig (kaum Zucker, kein Fett) und Biskuitteig (viel Luft und Zucker, kein Fett). Vorsicht bei Blätterteig, Rühr- oder Mürbeteig (viel Fett, viel Zucker) und Cremetorten (fast nur Fett und Zucker). Alternative: Auf den Belag kommt es an: Statt fetter Streusel, Sahne und Dosenfrüchten lieber Jogurt- oder Quarkauflagen und frische Früchte wählen. Karottenkuchen wird durch Möhrenraspeln saftig und braucht weniger Fett.
  3. Desserts: Meiden Sie Tiramisu (Kalorienbombe mit viel Fett), Schoko-Mousse (reichlich Fett und Zucker), Dosenobst (reichlich Zucker, kaum noch Vitamine), cremige Eissorten (viel Zucker, viel Sahne). Alternative: Frisches Obst, Obstsalat oder magerer, selbst angerührter Quark/Jogurt mit Früchten und echter Vanille oder Zimt. Lecker und figurfreundlich: rote Grütze (aus frischem Obst oder Tiefkühlobst) mit Milch oder Jogurt, Fruchteis-Sorbet mit Süßstoff, Jogurt- oder Buttermilcheis (halb so viel Fett wie Sahneeis).
  4. Naschwerk: Vorsicht vor Frucht- und Kaubonbons und Sahnekaramellen (viel Zucker, kleben in den Zähnen, Kariesgefahr). Schokokekse und Müsliriegel sind obendrein sehr fetthaltig. Alternative: Ein Vollkornkeks hält zumindest länger vor und ist gesünder, ebenso ein bis zwei Stücke Trockenobst oder drei bis vier Nüsse. Tipp: Minzpastillen (Minze stoppt Appetit, kaum Zucker) oder zuckerfreie Kaugummis (Zuckeraustauschstoff stärkt den Zahnschmelz, vermehrte Speichelbildung tötet Bakterien).

Quelle: Ratgeber aus Ihrer Apotheke

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RWG Redaktion

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