Lungenkrebs – Durchbruch in der Forschung

Ein Arzt betrachtet das Röntgenbild einer Lunge

Diagnose: Lungenkrebs! Für Betroffene ist diese Nachricht ein Schicksalsschlag, der mit schwerer Leidenszeit und dem Bewusstsein des nahenden Todes verbunden ist. Neue Therapien schenken den betroffenen Patienten jetzt sehr viel mehr Lebensqualität.

Seit Herbst 2005 ist nun in Deutschland ein Medikament zugelassen, das die Therapie revolutioniert. Der Wirkstoff, ein künstlich produziertes Molekül mit dem Namen Erlotinib, hat kaum Nebenwirkungen, verbessert entscheidend die Lebensqualität der Betroffenen und verlängert unter Umständen das Leben bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs um viele Monate. Obwohl es mit diesem Produkt keine Heilung gibt, beurteilen es Mediziner als Durchbruch.

Lungenkrebs betrifft ein Viertel der Krebspatienten

Rund 25 Prozent aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland betreffen die Lunge. Damit gilt das Atmungsorgan nach der Prostata als der am zweithäufigsten von Tumoren befallene Bereich im männlichen Organismus. Doch bei Frauen steigt die Gefahr ebenso. Insgesamt erkranken hier jährlich sechs von 10 000 Menschen an Lungenkrebs.

Das durchschnittliche Alter Betroffener liegt bei etwa 60 Jahren. Risikofaktoren sind vor allem Zigarettenrauch und Staubbelastung (wie Asbest). Als Frühsymptome gelten Beschwerden wie anhaltender Husten und Atemnot. Blutiger Auswurf oder Gewichtsverlust treten bei fortschreitender Erkrankung auf.

Die Mediziner unterscheiden zwei Arten von Lungenkrebs

Es gibt zwei Arten: das sehr gefährliche kleinzellige Karzinom (25 Prozent der Fälle) und das nicht-kleinzellige Karzinom. Letzteres wächst örtlich und bildet weniger Metastasen (Tochtergeschwüre) als das kleinzellige Karzinom. Dieses zeigt frühzeitig Absiedlungen in der Leber, im Gehirn und in anderen Organen.

Beide Lungenkrebsarten konnten die Ärzte bislang nur mit nebenwirkungsstarken Chemotherapien behandeln. Das kleinzellige Karzinom erlaubt darüber hinaus einen operativen Eingriff. Dieser ist in vielen Fällen sogar erfolgreich. Das Problem: Nur bei einem Viertel der Fälle lässt sich das entartete Gewebe tatsächlich entfernen.

Bei dem Einsatz des Wirkstoffes Erlotinib handelt es sich nicht um eine Chemotherapie. Eine solche greift immer alle Körperzellen an und behindert allgemein die Zellteilung und das Zellwachstum. Dadurch schwächt sie den gesamten Körper und es kommt zu erheblichen Nebenwirkungen wie beispielsweise Abgeschlagenheit, Haarausfall, Schmerzen und vielem mehr.

Erlotinib hemmt Tumorwachstum

Erlotinib hingegen, das winzige Teilchen (Molekül), zählt zu einer neuen Substanzklasse, den sogenannten Thyrosinkinase-Inhibitoren. Das Molekül wirkt zielgerichtet nur auf die Tumorzellen des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses. Hier kann es einen besonderen Wachstumsfaktor der Tumorzellen blockieren und damit das gesamte Tumorwachstum hemmen.

Für die Patienten mit metastasierendem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs erweist sich die problemlose Einnahme des Präparates in Tablettenform als angenehm. Für die Betroffenen gewinnt aber ebenso eine weitere Verbesserung der Lebensqualität eine enorme Bedeutung.

Erlotinib reduziert beispielsweise die Stärke der Hustenanfälle, die Sauerstoffnot und die Schmerzen in Lunge und Bronchien. Die Nebenwirkungen von Erlotinib sind geringfügig: Für kurze Zeit treten möglicherweise akneartiger Hautausschlag und in einigen Fällen vorübergehender Durchfall auf.

Der zweite Atem

Wer mehr wissen will, kann bei „Der zweite Atem – Leben mit Lungenkrebs“ Informationen einholen. Hier erfahren Betroffene und Angehörige medizinische Hintergründe und mögliche Hilfestellungen. Denn eine Besonderheit bei Lungenkrebspatienten bildet die oftmals kurze Lebensspanne, die den Patienten bei Diagnosestellung bleibt.

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RWG Redaktion

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