Migräne: Das hilft

Entspannungsübungen können Migräne-Attacken vorbeugen.

Man muss es offen aussprechen: Migräne verursacht böse Kopfschmerzen und ist bisher nicht heilbar. Trotzdem gibt es für die rund sechs Millionen Frauen und zwei Millionen Männer mit Migräne Hoffnung und Hilfe. Hier erfahren Sie alles über die beste Vorbeugung und die richtige Behandlung!

„Es ist, als ob sich im Kopf eine Kristallkugel mit messerscharfen Spitzen drehen würde. Der Schmerz brüllt, hämmert, schneidet – es fühlt sich an, als würde der Schädel gleich in tausend Stücke zerspringen. Dazu die schreckliche Übelkeit und das Flimmern vor den Augen! Sterbenselend ist einem da zumute …“

Migräne-Attacken und Migräne-Arten

Migräne tritt immer wieder in Anfällen auf, die zwischen 4 und 72 Stunden dauern können. Die Phasen dazwischen verlaufen dagegen ohne jede Beschwerden. Die Ursachen sind leider noch nicht restlos geklärt. Verantwortlich sind wahrscheinlich Störungen im Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe (Serotonin zum Beispiel) im Gehirn, wodurch es zur Entzündung von Nervenfasern in den Hirn-Blutgefäßen kommt.

So entsteht eine Überaktivität – die Gefäße verengen oder erweitern sich. Das erklärt nicht nur die Schmerzen, sondern auch die anderen Beschwerden wie Übelkeit, Flimmern vor den Augen oder Taubheitsgefühle im Gesicht.

Es gibt (neben seltenen Unterformen) zwei verschiedene Migräne-Arten:

  1. Migräne ohne Aura: Typisch sind meist einseitige, pulsierende, starke Kopfschmerzen, die sich durch körperliche Belastung verstärken. Hinzu kommt mindestens ein Symptom wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit.
  2. Migräne mit Aura: Zusätzlich treten neurologische Probleme auf („Aura“). Etwa Augenflimmern, Lichterscheinungen, Gesichtsfeldausfälle, Sprachstörungen und Taubheitsgefühle.

Die richtige Diagnose

Migräne lässt sich nicht messen. Zur Diagnose kommt es ausschließlich durch Befragung (Anamnese) der Patienten, die ihre Symptome schildern. Dafür hat die Internationale Kopfschmerzgesellschaft aus vielen Tausenden von Fällen und Beobachtungen Kriterien erarbeitet.

Um der Migräne auf die Spur zu kommen, hilft ein Kopfschmerz-Kalender, in den alle Umstände des Anfalls (Datum, Schmerzstärke, Begleiterscheinungen, Auslösefaktoren etc.) eingetragen werden.

Die beste Vorbeugung

Medikamente haben vielfach Nebenwirkungen – sie sollten deshalb möglichst sparsam eingesetzt werden. Der beste Weg ist also, Anfälle von vornherein zu vermeiden. Das ist möglich! Dazu fünf Tipps:

  1. Achten Sie auf regelmäßige Essenszeiten und auf Nahrungsmittel, die reich an Kohlenhydraten und Vitamin B sind (Nudeln, Bananen, Kartoffeln, Nüsse, Hülsenfrüchte).
  2. Da Stress oft der Auslöser ist: Sagen Sie öfter Nein. Lassen Sie sich weder beruflich noch privat zu etwas drängen, was Sie aus dem Rhythmus bringt.
  3. Treiben Sie regelmäßig Sport – an der frischen Luft und drei Mal die Woche.
  4. Sorgen Sie für einen regelmäßigen Tagesablauf und Schlaf-Wach-Rhythmus – auch am Wochenende und im Urlaub.
  5. Machen Sie (am besten täglich) ein Entspannungstraining, etwa Yoga oder die „Progressive Muskelentspannung nach Jacobson“.

Die optimale Therapie

Ist die Migräne schon ausgebrochen, geht es darum, die Schmerzen zu lindern. Medikamente der ersten Wahl zur Selbstbehandlung sind Schmerzmittel. Bei schweren Migräne-Attacken  verordnet der Arzt ein Medikament aus der Gruppe der Triptane, die zu jeder Zeit wirken.Vorsicht! Kopfschmerz- und Migränemittel nie länger als drei Tage hintereinander und nicht öfter als zehn Tage im Monat einnehmen! Die Medikamente könnten sonst einen Dauerkopfschmerz auslösen!

Die vier Phasen der Migräne:

  1. Vorphase

Symptome: Etwa zwei Tage vorher kommt es zu ungewöhnlicher Müdigkeit, Sprachstörungen, manchmal zu Unruhe und Heißhunger (z. B. auf Schokolade). Diese Vorphase erleben etwa 30 Prozent der Migräniker.

Das hilft: Kürzer treten! Yogaübungen, lange Spaziergänge, kalte Augenkompressen, Nudeln (Kohlenhydrate!).

  1. Phase: Aura

Symptome: Stunden bis Minuten vor den Kopfschmerzen kommt es zu Sehstörungen (Blitze, Bildausfälle), Sprachstörungen und Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in Gesicht, Armen, Beinen. Diese Aura erleben etwa 10 Prozent.

Das hilft: Jetzt lässt sich der Anfall wenigstens noch mildern: Hinlegen und schlafen, Fenster öffnen und das Zimmer abdunkeln.

  1. Kopfschmerzphase

Symptome: Heftige Schmerzen – meist auf eine Seite des Kopfes beschränkt (seitlich, vorne oder hinten). Gleichzeitig kommt es oft zu Übelkeit, Erbrechen und einer besonderen Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen.

Das hilft: So rasch wie möglich in ein abgedunkeltes, ruhiges, gut gelüftetes Zimmer zurückziehen! Mittel gegen die Übelkeit (Antiemetika) und spezielle Migränemittel (Triptane) müssen vom Arzt verschrieben werden. Wichtig: Schmerzmittel in der richtigen Dosierung (Empfehlung: ASS 1.000 mg oder Ibuprofen 400 mg oder Paracetamol 1.000 mg oder Kombi aus 500 mg ASS + 500 mg Paracetamol + 130 mg Koffein) und möglichst frühzeitig einnehmen. Ist der Anfall schon weit fortgeschritten, wirken sie oft nicht mehr, weil sie im Darm nicht mehr aufgenommen werden können.

  1. Rückbildungsphase

Symptome: Die Schmerzen lassen zwar nach, aber 12 bis 24 Stunden lang (manchmal bis zu zwei Tage) kommt es zu Müdigkeit und Abgespanntheit, gedrückter Stimmung und Übelkeit.

Das hilft: Ausschlafen, an der frischen Luft spazieren gehen, entspannen, ausruhen, Lärm und grelles Licht vermeiden.

Quelle: Lenz 1/2005

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