Erholung in chinesischen Gärten

Ein Pavillion in einem chinesischen Garten

In zahlreichen deutschen Städten verzaubern chinesische Gärten ihre Besucher.

Mit klangvollen Namen warten chinesische Gärten auf: Sie heißen „Garten der schönen Melodie“, „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ oder „Garten des himmlischen Friedens“. Letzterer befindet sich im Bethmannpark mitten in der lebhaften Börsenmetropole Frankfurt am Main. Ursprünglich hieß er „Frühlingsblumengarten“. Bald nach seiner Einweihung nannte man ihn um, um an die blutig niedergeschlagenen Demonstrationen in Peking 1989 zu erinnern.

Den Park umschließen zwei viel befahrene Innenstadt-Straßen. Hohe Steinmauern schirmen die Hektik ab. Wer das Eingangstor durchschreitet, atmet durch. Die Schritte werden unwillkürlich gemessener, so als ob die Uhren hier langsamer gehen.

„Ein friedlicher Platz zum Ausruhen / In der Stille findet man Kraft zu neuem Denken“ lautet eine Inschrift in chinesischen Schriftzeichen am Wasserpavillon. Und tatsächlich genießen einige Besucher an diesem Nachmittag die beruhigende Atmosphäre des Ortes. Mehrere Paare sitzen ins Gespräch vertieft auf Bänken am „Jaspisgrünen Teich“. Sogar ein Brautpaar ist darunter.

Lebensweisheit im Garten eingebaut

Andere wollen für ein paar Minuten die Seele baumeln lassen. Auf ihrem Rundgang überqueren sie die traditionelle Zickzackbrücke im Herzen des Gartens. Böse Geister gehen nach chinesischer Denkweise nur geradeaus. Über eine kreuz und quer gebaute Brücke schaffen sie es nicht. Eine gute Gelegenheit für die Frankfurter, sich von ihren bösen Geistern zu befreien.

Neben dieser „magischen“ Funktion verkörpert das Bauwerk chinesische Lebensweisheit: Durch die verschiedenen Blickwinkel, die Sie zwangsläufig beim Begehen einnehmen, betrachten Sie jede Sache aus verschiedenen Richtungen.

Die Form der Brücke und die verschlungenen Wege des Gartens machen deutlich, dass die Wege des Lebens nie gerade sind. Oft erreichen Sie Ihr Ziel erst über Umwege – was reizvoll sein kann.

Harmonie der „Sieben Teile“

Die Chinesen bauen einen Garten nicht nur der Erholung oder der Schönheit wegen, sondern zur „inneren Einkehr“. In der Gestaltung spiegelt sich der Grundzug des chinesischen Denkens wider, sich in Einklang mit dem Kosmos zu setzen.

So finden Sie nicht nur im Garten des Himmlischen Friedens ein ausgewogenes Verhältnis der „Sieben Teile“ Erde, Himmel, Wasser, Steine, Gebäude, Wege und Pflanzen. Auch die anderen Anlagen in Deutschland erfüllen diese Vorgabe. Sie warten dazu mit typischen Details wie Holzpavillons, Löwenskulpturen, Brücken, Kalligrafien, Wasserfällen, Teichen, chinesischen Pflanzen und Teehäusern auf.

Pflanzen chinesischer Gärten

Wer beim Begriff „Garten“ sofort die farbenfrohe Blütenpracht vieler europäischer Parks vor Augen hat, liegt falsch. Pflanzen spielen in chinesischen Gärten nur eine untergeordnete Rolle. Noch dazu legen Chinesen ihre Gärten mit nur einer kleinen Zahl unterschiedlicher Pflanzen an.

Neben Blühpflanzen wie Lotos, Chrysanthemen oder Pfingstrosen findet man viele Grünpflanzen wie Kiefer, Bambus oder Ginkgo. Den Gestaltern geht es darum, dass der Besucher aus den speziellen Eigenschaften der Gewächse lernt. Zum Beispiel stehen Kiefer und Bambus beide für Treue, weil sie immergrün sind.

Das harmonische und nicht allzu bunte Bild dieser Gärten trägt zu ihrem stillen Charakter bei. Wem ein Dämon folgen sollte, der kann ihn hier abschütteln und seine Gedanken zur Ruhe kommen lassen.

Foto: © shashinfactory – fotolia.com

RWG Redaktion

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