Fort mit dem Schmerz!

Eine junge Frau erleidet einen Hexenschuss

Schmerzen kennt jeder – und das ist gut so. Sie sind ein Frühwarnsystem unseres Körpers. Sie zeigen an, dass in unserem Organismus etwas nicht stimmt. Am liebsten möchten die meisten Menschen den Schmerz aus ihrem Leben für immer und ewig verbannen. Doch das wäre gefährlich, denn er ist für uns lebenswichtig.

Schmerz als Frühwarnsystem

Die Alarmglocken schrillen immer dann, wenn im Organismus etwas nicht in Ordnung ist. Dazu bedient er sich mikroskopisch kleiner Meldestellen, die über den ganzen Körper hinweg dicht an dicht verteilt sind. Bekanntes Beispiel: Wenn wir mit der Hand versehentlich auf eine heiße Oberfläche geraten, reagieren wir auf den jähen Schmerz in Bruchteilen von Sekunden mit dem Wegziehen der Hand.

Sie sehen: Der Schmerz bewahrt uns oft vor größeren Schäden! Hauptakteur für die Wahrnehmung von Schmerzen ist unser Nervensystem. Es bildet ein gigantisches Kommunikationssystem, vergleichbar mit einem weit verzweigten Telefonnetz.

Die Schaltzentrale sitzt im Gehirn; das Rückenmark bildet hier die zentrale Leitungsbahn. Beide zusammen bezeichnet man deshalb als das Zentrale Nervensystem (ZNS). Die Gesamtlänge dieser Nervenleitungen verfügen über eine Länge von knapp einer Milliarde Kilometern! Das ist mehr als die zweieinhalbtausendfache Entfernung von der Erde zum Mond.

Feine Antennen auf Empfang

Wussten Sie, dass wir überall im Körpergewebe winzige Sensoren haben? Diese winzigen Sensoren sind mit feinsten Antennen von weniger als einem Millionstel Millimeter Durchmesser ausgerüstet. Diese freien Nerv-Enden nehmen alle Reize auf und leiten sie dann über die Nervenbahnen an die Zentrale weiter.

Hier sind Spezialisten am Werk: Manche Schmerzantennen reagieren ausschließlich auf Temperaturen, andere auf Druck oder Vibrationen. Rund 90 Prozent dieser Sensoren sitzen in der Haut, der Rest wartet empfangsbereit in Muskeln und Knochen, Blutgefäßen und Eingeweiden.

Dreifach gesichert ist besser

Unser Organismus verlässt sich nicht allein auf diese feinen Schmerzantennen. Er hat gleich zwei weitere Sicherungen in das Alarmsystem eingebaut. Sicherung Nummer zwei: Wenn eine Verletzung oder Entzündung irgendwo in unserem Körper Zellen schädigt oder zerstört, dann werden an dieser Stelle sofort hormonähnliche Signalstoffe freigesetzt. Sie melden die Schmerzsignale über die Blutbahn ans Gehirn weiter.

Sicherung Nummer drei bilden die Prostaglandine. Wenn im Körper eines Menschen vermehrt Prostaglandine auftauchen, dann ist sicher, dass irgendwo Zellen Schaden erleiden. Die Prostaglandine bildet der Körper selbst dann, wenn der Mensch (noch) keine Schmerzen verspürt.

Damit man Schmerzen wirksam lindern oder ausschalten kann, müsste man die Produktion des „Schmerzverstärkers“ Prostaglandin verhindern. Das ist das Wirkprinzip vieler Schmerzmittel: Sie verringern die Reize so drastisch, dass der Schmerz wohltuend nachlässt.

Wie der Schmerz vergeht

Bei länger andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen, Kopfweh, Fieber oder Erbrechen, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Grundsätzlich gilt: Während einer Attacke vermeiden Sie am besten Überanstrengungen und ernähren sich nicht zu schwer. Körperliche Bewegung an der frischen Luft wirkt bei Kopfweh oft Wunder. Es gibt viele Möglichkeiten: Laufen, Radfahren oder Schwimmen in gemäßigtem Tempo, ohne große Anstrengung.

Erleichterung bringen eine Nackenmassage, eine Eisbeutelpackung, temperierte Arm- und Fußbäder oder ein Gesichtsguss nach Kneipp. Bei mäßigem Kopfweh kann Melissengeist mit den Auszügen der Klostermelisse (Apotheke) Linderung verschaffen. Massieren Sie Stirn und Schläfen. Ein paar Minuten Ruhe reichen oft aus. Oder Sie nehmen (zusätzlich) die Auszüge aus Melissenblättern nach Angaben ein.

Speziell gegen Spannungskopfschmerzen hilft ein warmes, nicht zu heißes Bad mit Kräuterzusätzen. Ebenso hilfreich: Yoga, Autogenes Training oder Meditation (Kurse gibt es unter anderem in Volkshochschulen). Wer gelegentlich unter Schmerzen leidet und die Ursache kennt, kann ein gut verträgliches Schmerzmittel einnehmen. Ein Schmerzmittel sollte in der Hausapotheke nicht fehlen. Dann aber sofort die höchste Einzeldosis einnehmen.

Auf keinem Fall sollten Sie die Schmerzen aushalten. Grund: Schmerzmittel schützen das Nervensystem vor übermäßiger Schmerzstimulation und Stress – und nur auf diese Weise vermeiden Sie chronische Schmerzen.

Was ist ein Schmerzgedächtnis?

Bei Schmerzen werden die Nerven ständigen Reizen ausgesetzt. So empfinden wir schwache Reize als stark – ein so genanntes Schmerzgedächtnis entsteht. Deshalb ist es wichtig, Schmerzen im Akutstadium ernst zu nehmen und auszuschalten.

Kopfweh kann sich beispielsweise einstellen, wenn unsere innere Uhr durcheinander kommt. Ein unregelmäßiger Tagesrhythmus führt dann zu einer Störung der in uns vorprogrammierten Rhythmen, und das vermindert die körpereigene Schmerzfähigkeit. Vor allem zu wenig Schlaf löst Spannungskopfschmerzen aus.

Deshalb der medizinische Rat: Achten Sie auf einen regelmäßigen Tagesablauf, als optimal gelten mindestens sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Wissenswert: Die geringste Schmerzempfindlichkeit ist gegen 14.00 Uhr. Vielleicht beim Termin für den nächsten Zahnarztbesuch beachten!

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RWG Redaktion

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