Gewürze können heilen

In einem Mörser aus Stein stecken etliche Gewürze

„Die Wunderwaffe schlechthin, der reinste Bakterienkiller“, Alfons Schuhbeck gerät förmlich ins Schwärmen, wenn er das Wort Ingwer hört: „Er entgiftet und er enthält viel Vitamin C. Er ist gut für die Leber, für die Haut, fürs Blut, für alles“, so der Sterne- und Fernsehkoch. „Das Beste am Ingwer: Sie können ihn in jede Suppe, jedes Gericht, in jedes Glas Wasser geben. Würden wir alle mehr Ingwer essen, wären wir viel gesünder.“

Gewürze – Allheilmittel?

Alfons Schuhbeck hat recht. Nur hat sich dieses Gewürz-Wissen bei vielen seiner Kollegen und den meisten Köchinnen und Köchen zu Hause noch nicht herumgesprochen. Auf sagenhafte 70 Milliarden Euro schätzt die Bundesregierung die jährlichen Kosten durch ernährungsbedingte Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, extremes Übergewicht, Fettstoffwechsel-Störungen, Osteoporose und manche Krebsarten.

Professor Andreas Pfeiffer kennt diese Zahlen und viele weitere. Am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke beschäftigt er sich mit der Frage, wie wir mit gesunder Ernährung und gezielter Auswahl von Lebensmitteln Krankheiten vermeiden. „30 sogar bis zu 70 Prozent der Herzinfarkte und Schlaganfälle lassen sich verhindern, wenn Sie sich mediterran ernähren, das heißt viel Gemüse, Obst, Brot, Fisch, Oliven- und Rapsöl isst“, sagt Pfeiffer.

Experten wie Pfeiffer wissen das, weil etwa die „Lyon-Heart-Studie“ den Zusammenhang zwischen Ernährung und Herzgesundheit eindrucksvoll belegt. Professor Richard Béliveau von der Universität Quebec ist einer der führenden Experten weltweit für die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit. Er ergänzt: „Mittlerweile ist der Nachweis für einige Lebensmittel und Gewürze bzw. bestimmte Substanzen gelungen. Man hat sie gut erforscht und weiß, wie sie der Gesundheit nutzen“, sagt Béliveau, der vor allem die Zusammenhänge von Ernährung und Krebs erforscht.

Welche Gewürze helfen uns?

Bestes Beispiel: Der von Alfons Schuhbeck hochgelobte Ingwer. Er enthält hochwirksames Gingerol, das Enzyme im Körper blockieren kann. Ingwer hilft so bei entzündlichem Rheuma. Ingwer wirkt gegen Krebs. „Gingerol greift bestimmte Krebszellen direkt an bzw. zwingt sie, sich selbst zu zerstören. Sehr ähnlich wirkt übrigens auch Kurkuma“, weiß Béliveau. Kurkuma gehört zu Dr. Peter Schnabels Favoriten beim gesunden Kochen.

Der Hautarzt und Allergologe wurde von Alfons Schuhbeck als medizinischer Berater eingestellt. Er kennt sich exzellent mit der Wirkung von Kräutern und Gewürzen auf Gesundheit und Krankheiten aus. „Früher vermutete man, dass Kräuter und Gewürze wirken, heute wissen wir, dass und wie sie das tun“, sagt Schnabel.

Beispiele aus der Kräuterküche

Bockshornklee hilft gegen Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Husten. Chili regt die Verdauung an, stillt Schmerzen und es fördert die Durchblutung. Galgant wirkt beruhigend bei Magenproblemen. Koriander hilft bei Kopfschmerzen, Mundgeruch und Blasenleiden. Kresse hilft gegen Abwehrschwäche, Leberprobleme und Asthma, Meerrettich bei Infekten der Atemwege, Gicht und Rheuma. Senf wirkt bei depressiver Verstimmung und rheumatischen Schmerzen.

„Diese Wirkungen zeigen“, sagt Schnabel, „dass wir Kräuter und Gewürze ganz neu betrachten müssen, dass sie nicht nur zum drüberstreuen sind, sondern wertvolle Lebensmittel, die uns helfen, gesund zu bleiben.“ Schnabel rät deshalb, täglich Kräuter und Gewürze zu essen.

Wie wirken diese Stoffe?

Bis heute entdeckten Wissenschaftler etwa 12.000 verschiedene Pflanzenstoffe, die im Körper vielseitig und positiv wirken. Ärzte vermuten, dass es rund 100.000 solcher Substanzen in Pflanzen gibt.

Noch vor kurzem glaubten Forscher, es reiche, einzelne dieser Stoffe zu isolieren, um sie dann als Medikament gegen Krankheiten einzusetzen. Entsprechende Studien verliefen enttäuschend. „Nur wenn Sie reichlich verschiedene Gemüse, Salate und Obstsorten mit all ihren Inhaltsstoffen essen, entfalten sie ihre volle gesunde Wirkung“, sagt der Ernährungsmediziner Dr. Rolf Rosenfeldt aus Rosenheim.

Fleißige Gemüse- und Obstesser leiden weniger unter Übergewicht. Sie erleiden seltener Darmkrebs und sie haben starke Abwehrkräfte und bessere Blutdruckwerte. Ihr Risiko für Herzinfarkt und Diabetes Typ 2 reduziert sich.

Sind Omega-3-Fettsäuren wichtig?

Sehr gut erforscht ist die Omega-3-Fettsäure aus fettem Seefisch, etwa Makrele, Lachs und Hering. Die Docosahexaen- und Eicosapentaen-Säure darin wirkt wie ein Medikament. Dass die Fettsäuren gut gegen hohe Cholesterinwerte und bei Rheuma sind, wissen Ärzte schon länger. Seit kurzem ist bekannt, wie wichtig sie für ein funktionierendes Gehirn sind.

Nehmen Sie zu wenig Omega-3-Fettsäure zu sich, erhöht sich das Risiko für Demenz. Und vor kurzem entdeckten Ärzte die Rolle von Omega-3 bei Depressionen. Im gesunden Gehirn beträgt die Konzentration am synaptischen Spalt (Verbindungsstelle zwischen den Nervenzellen) 45 Prozent und mehr. Bei Depressiven beträgt sie nur 3 bis 4 Prozent. Das heißt, wer zweimal pro Woche eine kleine Portion (125 g) fetten Seefisch isst, verringert sein Risiko für Depression bzw. kann dafür sorgen, dass die dunklen Gedanken verschwinden.

Achten Sie auf genügend Vitamin D

Gut untersuchten Forscher die Wirkung von Vitamin D im Körper. Der stärkt die Knochen mit Kalzium. Erst vor kurzem dagegen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass der Körper Vitamin D für ein gesundes Herz, fürs Gehirn und die Krebsabwehr braucht. Ausreichend Vitamin D produziert der Körper selbst bei Sonne in der unbedeckten Haut. Dazu reicht es, sich während der Sommermonate mittags täglich 20 Minuten an der frischen Luft zu bewegen.

Dabei produziert der Körper so viel Vitamin D, dass er ausreichend davon für die Wintermonate speichert. All diese neuen Erkenntnisse nutzen nur dann etwas, wenn man sie im Alltag umsetzt. Wie Sie dies am besten tun, weiß Dr. Christiana Gerbracht vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke: „Am besten planen Sie eine Woche im Voraus, was Sie an welchem Tag essen.

Das war bei unseren Großeltern noch normal“, so die Ernährungswissenschaftlerin. Aber heute kaufen viele spontan und gestresst Lebensmittel ein. Studien zeigen, dann landen besonders oft die ungesunden Sachen im Einkaufswagen, etwa Fertiggerichte. Dr. Gerbrachts Tipp, wie man es besser macht, klingt daher fast banal: „Lassen Sie sich beim Essen mehr Zeit, dann wählen Sie besser aus und essen gesünder.“

Foto: © lily – fotolia.com

RWG Redaktion

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