Gute Nacht! Was wirklich gegen Schnarchen hilft

Schnarchen stört die Nachtruhe des Partners

 Etwa 20 Prozent aller Deutschen schlafen äußerst geräuschvoll und rauben ihren Liebsten den Schlaf. Das geht an die Nerven – und auf Dauer auch an die Gesundheit.

70 Dezibel im Schlafzimmer

Wenn beim Schnarchen sanftes Rütteln, Schubsen oder Wecken nichts nützt, flieht manche geplagte Bettgenossin auf die Wohnzimmercouch. Oftmals sind es die Frauen, die leiden, während ihre Männer Nacht für Nacht mit einer durchschnittlichen Lautstärke von 70 Dezibel „sägen“ – das entspricht einem LKW mit laufendem Motor.

Extremschnarcher erreichen sogar Spitzenwerte von über 90 Dezibel – die Lärmfrequenz einer Autohupe. Sie selbst hören das nicht, weil sie erst in der Tiefschlafphase loslegen. In dieser Phase filtert das Hirn die Geräusche weg. Diese Tiefschlafphase erreichen geplagte Bettgenossinnen dann selbst nicht mehr, weil Frauen eine niedrigere Weckschwelle haben.

Flaute im Schlafzimmer

Warum Männer zumindest in jüngeren Jahren häufiger schnarchen als Frauen, hängt offenbar mit der Anatomie zusammen: Frauen haben eine andere Rachen- und Halsarchitektur. Darüber hinaus hält bei ihnen das weibliche Hormon Östrogen das Gaumensegel elastisch.

Das ist zu einem Gutteil für die Schnarchgeräusche verantwortlich: Im Schlaf erschlaffen alle Muskeln. Der Unterkiefer lockert sich, die Zunge rutscht zurück. Gaumensegel und Zäpfchen hängen nach dem Einschlafen schlapp im Rachen. Durch die entspannte Mund- und Rachenmuskulatur verengen sich die Atemwege. Der Druck des vorbeiströmenden Atems setzt die Weichteile in Vibration.

Das Gaumensegel fängt wie ein richtiges Segel mehr oder minder heftig an zu flattern und zu knattern. Erst jenseits der Wechseljahre, wenn der weibliche Körper die Östrogenproduktion herunterfährt, verliert ebenso das weibliche Gaumensegel im Schlaf seine Elastizität: Die langjährigen „Opfer“ werden ebenfalls zu „Tätern“ und schnarchen.

Überflüssige Pfunde sind ein weiterer Risikofaktor. Der Speck siedelt sich nicht nur am Bauch an, sondern auch im Mund-/Rachenraum. Selbst die Zunge wird dicker, so dass im schlafmatten Zustand der Atem mühsamer seinen Weg findet. Das hört man dann…

Ab wann es gefährlich wird

Durch die nächtliche Ruhestörung leidet nicht nur die Schlafqualität des Schnarchopfers, sondern ebenso die des Verursachers: Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nimmt bei starkem Schnarchen nachweislich ab, wie Versuche mit Studenten und Schülern gezeigt haben. Die Schnarcher lernten schlechter, denn im Tiefschlaf verarbeitet das Gedächtnis neu Gelerntes.

Paart sich das laute Schnorcheln noch mit sekundenlangen Atemaussetzern, gefolgt von heftigem Röcheln und Atemholen, besteht Verdacht auf Schlafapnoe: Bei etwa jedem zehnten Säger sackt die Mundmuskulatur im Laufe der Nacht so stark zusammen, dass der Schläfer phasenweise keine Luft mehr bekommt. Er schreckt kurz auf, weil das Gehirn Alarm schlägt.

Treten die Atemaussetzer öfter als fünf Mal pro Stunde auf und dauern sie länger als zehn Sekunden, ist die Gesundheit ernsthaft gefährdet: Der mit den Atempausen einhergehende Stress bei der Sauerstoffversorgung kann zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen führen.

Durch die Schlafapnoe verdreifacht sich das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Die bleierne Müdigkeit am Tag kann zum Sekundenschlaf führen: Im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz steigt das Unfallrisiko deutlich an.

Hilfe ist möglich

Wer sich morgens oft schlapp und wenig ausgeschlafen fühlt, sollte deswegen den Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. Die Ursachen der verengten Atemwege können im Bereich der Nase, des Gaumensegels oder Zungengrundes liegen. Manchmal sind verdickte Mandeln der Grund. Im Schlaflabor unterscheiden Experten harmlose Schnarcher von gesundheitlich gefährdeten.

Bei der Untersuchung messen sie zahlreiche Körperfunktionen während des Schlafens, beispielsweise Herzfrequenz, Hirnströme, Atmung, Sauerstoffgehalt des Blutes etc. Wer unter einem Schlafapnoe-Syndrom leidet, dem kann eine individuell angepasste nCPAP-Maske verordnet werden. Die Abkürzung steht für das Englische „nasal Continuous Positive Airway Pressure“.

Die Maske erzeugt einen leichten Überdruck in den Luftwegen und hält sie durch das Einströmen von Raumluft offen (Prinzip: umgekehrter Staubsauger). Neuere Masken sind handlicher und leiser als Modelle der ersten Generation. Ein Großteil der Behandelten fühlt sich morgens wieder frisch. Sie sind ausgeruht und leistungsfähiger – müssen die Maske allerdings jede Nacht tragen.

Für leichte Fälle von Schlafapnoe gibt es das so genannte TNI-Gerät, wobei TNI für „Trans Nasal Insufflation“ steht: eine leichte „Nasenbrille“, die Luft durch einen dünnen Plastikschlauch in die Atemwege führt. Klären Sie vor der Anpassung ab, ob Ihre Kasse die Kosten für ein solches Gerät übernimmt!

Erste Hilfe gegen nächtliches Sägen

  • Alkohol und Schlaftabletten meiden: Sie bringen die Muskeln noch stärker zum Erschlaffen und verstärken nachweislich das Schnarchen.
  • Keine Zigaretten: Sie sorgen für geschwollene Schleimhaut und verengen die Atemwege.
  • Kopfkissenexperimente: Werfen Sie es aus dem Bett, der abgeknickte Hals kann Schnarchen auslösen. Das Gegenteil kann ebenso hilfreich sein: Lagern Sie den Oberkörper höher.
  • In Seitenlage schlafen: Die Rückenlage ist eine typische Schnarchposition. Nähen Sie einen kleinen Ball in den Rücken der Schlafanzugjacke, der die Rückenlage unbequem macht. Schlafwesten haben die gleiche Funktion und sind viel teurer.
  • Übergewicht reduzieren vermindert das Schnarchen und nützt der Gesundheit insgesamt. Ausgleichssport strafft alle Muskeln und verbessert den Schlaf.
  • Fenster auf: Trockene Luft reizt die Schleimhäute.
  • Nase auf: Chronischer Schnupfen verengt die Atemwege und muss vom Allergologen behandelt werden. Vorsicht: Schnupfensprays sind nicht für den Dauergebrauch geeignet.
  • Zum HNO-Arzt gehen: Liegt das Problem an einer zu engen Nase, helfen unter Umständen Nasenspreizer. Bei einem zurückfallenden Unterkiefer kann sich eine Zahnschiene bewähren.
  • Weniger Stress: Entspannen Sie sich vor dem Schlafengehen bewusst, essen Sie am späten Abend nichts mehr und lassen Sie Alkohol weg.

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RWG Redaktion

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