Wie gut sind Ihre Schuhe für Ihre Füße?

Sind meine Schuhe schuld, wenn die Füße schmerzen?

Frauen lieben Schuhe. Hohe, flache, schmale. Bis die geliebten Ballerinas so stark drücken, dass jeder Schritt zur Qual wird. Millionen Frauen kennen das – ob die Ursache Fersensporn, Hammerzeh, Spreizfuß oder, wie bei Sonja Baulig, Hallux valgus heißt.

Wie sehr richtige Schuhe, Fußgymnastik oder Fitness-Schuhe Zehen, Sohlen und Gelenke entlasten, erfuhr sie im Gespräch mit vielen Ärzten. Nichts! Kein Gefühl. Mein großer Zeh am linken Fuß – taub. Beim Anziehen der Schuhe wird es mir bewusst. Vor ein paar Tagen ist es mir aufgefallen, aber ich habe es verdrängt. Jetzt lässt es mir keine Ruhe. Was ist da los? Am gleichen Morgen sitze ich beim Orthopäden. „Hallux valgus heißt Ihr Problem“, sagt er nach einem kurzen Blick.

Fehlstellung der Zehen

Durch die Fehlstellung sei ein Nerv überdehnt – daher der taube Zeh. „Ohne eine Operation schädigt die Fehlstellung den Nerv dauerhaft“, erklärt mein Arzt. Ich erahne die Gedanken meines Mannes, als ich ihm abends davon erzähle. „Daran sind Deine Schuhe schuld.“ „Falsch“, denke ich zurück. Erstens trage ich gar keine hohen Absätze und zweitens hat das mit meinen Schuhen nichts zu tun. „Es sind die Gene“, sage ich laut.

„Meinen krummen Zeh habe ich von meiner Mutter geerbt.“ So hat es mir der Orthopäde erklärt. Die Füße meiner Mutter sehen genauso aus wie meine. Im Gegensatz zu mir trägt sie häufiger hochhackige Schuhe. Ein anderes Kaliber ist meine Freundin Cora. Sie stolziert nur auf hohen Hacken herum. Ihre Füße sind perfekt. Das finde ich ungerecht. Trotzdem bin ich nicht allein.

60.000 Operationen pro Jahr

Jede vierte Frau über 40 leidet unter Hallux valgus. Die Schuhe haben damit nichst zu tun Und 60.000 lassen sich pro Jahr operieren – so wie ich. Mein Orthopäde, Dr. Tobias Weber, ist Fußchirurg. Rund 160 OP-Methoden gebe es, erklärt er mir. Als er ins Detail geht, wird mir mulmig. Manchmal reiche es, überschüssigen Knorpel am Ballen abzutragen und manchmal setzt er eine Schraube ein, um die Zehe zu fixieren.

In anderen Fällen müsse er ein Stück des Zehknochens heraustrennen. „So genau will ich’s gar nicht wissen“, denke ich und möchte am liebsten davon humpeln. „Bei Ihnen reicht es, den Knorpel abzutragen und die Zehe mit einer Titanschraube zu fixieren“, beruhigt er mich. Eine Woche nach der Diagnose fahre ich in die Klinik. Dank Vollnarkose bekomme ich vom Eingriff nichts mit. Als ich aufwache, ist der operierte Fuß hoch gelagert und bis zum Knie verbunden, Schmerzen habe ich nicht. Meine Schuhe stehen neben dem Bett.

Schnelle Genesung

Am nächsten Morgen: Besuch der Physiotherapeutin. In der einen Hand knallrote Krücken, in der anderen einen Schuhe im Karton. Als sie ihn öffnet, trifft mich der Schlag: Ein dunkelblaues Etwas mit dicker schwarzer Sohle und Klettverschluss liegt darin. Der Modellname „Mailand“ ist der blanke Hohn, mein Spezialschuh für die nächsten vier Wochen. Auf dem Krankenhausflur lerne ich mit den Krücken zu gehen und vor allem, wie ich Treppen meistere.

So hässlich die Schuhe mit Namen „Mailand“ aussehen, sie erfüllen ihren Zweck: Dank ihnen gehe ich einen Tag nach dem Eingriff die ersten Schritte schmerzfrei. Zwei Tage nach der Operation: Ich bin zuhause. Den Fuß hoch auf Kissen gebettet liege ich auf dem Sofa. Der Fuß pocht, sonst schmerzt nichts. Eine Woche später geht es mit „Mailand“ so gut voran, dass ich die Krücke in die Ecke stellen kann.

Hallux valgus – Ein verbreitetes Leiden

So ein „Vorfußentlastungsschuh“ ist so effizient wie ein Hund, geht es darum, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Anstelle von „Ist das ein reinrassiger Hund?“ kommt jetzt regelmäßig „Hallux-OP?“. Nie zuvor haben mir wildfremde Menschen mitten auf der Straße ihre Schuhe und Füße gezeigt. Frauen schlüpfen aus ihren Ballerinas, schütteln die Pumps von den Füßen und verkünden: „Ich hab’s auch.“

Längst habe ich Faltblätter von Dr. Weber in der Tasche, um Neugierige mit der Adresse zu versorgen. Die „schlimme Stelle“ – seitlich am Ballen – kennt jede Frau mit Hallux valgus hat. Wehe, haben die Schuhe dort eine Naht im Leder: Dann kann man sie vor Schmerzen unmöglich tragen. Was mich nicht davon abhält, es zu versuchen: Ehe der Zeh taub wurde, habe ich mir Ballerinas in cremegrau gekauft.

Die kleine Problemstelle würde sich sicher beim Eintragen der Schuhe weiten. Wie immer habe ich die Schuhe mit dicken Socken in der Wohnung „eingelaufen“ und es mit Lederdehnungsspray versucht. Es hat nichts genützt. Die Operation ist zwei Wochen vorbei. So gut es geht, „schlendere“ ich mit „Mailand“ durch die Fußgängerzone. Sehnsüchtig schaue ich mir die Auslage meines liebsten Schuhgeschäfts an.

Auf leisen Sohlen

Ein Blick am rechten Bein bis zu den Schuhen hinunter genügt, um mich an den Termin bei der Krankengymnastin zu erinnern. Zehn Minuten später macht sie mir bewusst, dass sich in meinem Körper Muskeln verbergen, die ich noch nie bemerkt habe. Es gibt einen, mit dem ich meinen großen Zeh willentlich abspreizen kann.

Ich will nicht jammern. Nur vier Wochen nach der OP, der Krankengymnastik und vielen weiteren Übungen zuhause darf ich die verhassten Schuhe „Mailand“ in den Schuhhimmel verbannen. Vorsichtig schlüpfe ich in den mitgebrachten Turnschuh. Die ersten Schritte gehe ich tastend. Ich kann auftreten und über den großen Zeh abrollen.

Haglund-Ferse:

Ursachen: Angeborene Deformation des Fersenbein-Höckers kann schmerzhafte Druckbeschwerden am Schuhrand auslösen, Achilles- Sehne bzw. Schleimbeutel reizen

Behandlung:

• Hinten offene Schuhe tragen.

• Entzündungshemmende Salben oder Tabletten bei akutem Schmerz.

• Bei chronischen Beschwerden kleine OP. Vorbeugen

• Schuhe tragen, die nicht an der Ferse drücken dürfen.

• Oft hinten offene Schuhe tragen.

• Entzündung auskurieren, sonst kann diese auf Achillessehne übergreifen.

Hallux valgus:

Ursachen: Angeborener und unbehandelter Spreizfuß sorgt dafür, dass die Großzehe nach außen abweicht.

Behandlung:

• In leichten Fällen Einlagen, Übungen beim Krankengymnasten und Spezialschienen, die man nachts trägt (verschreibt Orthopäde).

• Bei starken Schmerzen hilft nur eine OP, bei der Knochen gerichtet und mit Schraube/Platte fixiert wird. Vorbeugen

• Bei Neigung zu Spreizfuß keine engen, hochhackigen Schuhe tragen.

• Jeden zweiten Tag Fußgymnastik.

• Viel barfuß gehen.

Hammer-Zeh:

Ursachen: Spreizfuß, oft in Begleitung mit Hallux valgus. Dabei schiebt sich zweite Zehe nach oben.

Behandlung:

• Einlagen für den Spreizfuß.

• In leichten Fällen Krankengymnastik.

• Verkrümmen Zehen stark, werden Zehen-Gelenke zunehmend steifer und es bilden sich schmerzhafte Schwielen, hilft nur eine OP.

• Vorbeugen: Siehe Hallux valgus.

Fersensporn:

Ursachen: Überlastung (ungewohnt lange Wanderungen, viel stehen) führt dazu, dass sich Sehnenansatz unter der Ferse entzündet und sich mit der Zeit knöcherner Sporn bildet.

Behandlung:

• Fuß schonen.

• Spezielle Fersenkissen bzw. Einlagen.

• Kortison-Spritzen.

• Stoßwellen-Therapie bei hartnäckigen Beschwerden.

• OP (selten). Vorbeugen

• Ungewohnte Belastungen langsam steigern.

• Täglich barfuß laufen, Fuß-Übungen.

• Übergewicht abbauen.

• Gut dämpfende Schuhe tragen.

Spreiz-Fuß:

Ursachen: Quergewölbe im Fuß sinkt ab. Mittelfuß wird im Lauf der Zeit immer breiter.

Behandlung:

• Orthopädische Einlagen bei akuten Beschwerden

• Mittel- und langfristig hilft nur konsequente Fußgymnastik, um stützende Muskeln zu stärken.

• Nur bei massiven Beschwerden OP. Vorbeugen

• Breite Schuhe tragen, plus Einlagen, die Fußgewölbe abstützen.

• Übergewicht abbauen.

• Fußgymnastik und viel barfuß gehen.

Quelle: plus Magazin 04/2011

Foto: © Schlierner – Fotolia.com

RWG Redaktion

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