Worüber keiner gerne spricht: Blähungen

Ein Mann hat nach dem Essen einen aufgeblähten Bauch

Gasansammlungen in Magen und Darm sind nicht nur peinlich, sie können zu belastenden Beschwerden führen – von Völlegefühl und Magendrücken bis hin zu starken, krampfartigen Bauchschmerzen, die an eine Gallenkolik oder Blinddarmentzündung denken lassen.

Luft- bzw. Gasansammlungen können auf verschiedene Weise im Körper entstehen. Durch hastiges Essen und Trinken z.B. schlucken wir Luft. Sie sammelt sich im Magen und steigt gemäß physikalischer Gesetze durch die Speiseröhre nach oben. Aufstoßen ist die Folge, in Begleitung mit saurem Mageninhalt, was wir als Sodbrennen kennen.

Dieses Aufstoßen ist besonders ausgeprägt während der ersten Lebensmonate eines Säuglings und wird als Dreimonatskolik bezeichnet. Der Rest der Luft gelangt in den Darm, wo er z.T. in den Blutstrom aufgenommen (resorbiert) oder durch den Dickdarm nach außen befördert wird.

Viele Ursachen, ein Symptom

Gas bildet sich im Darm gebildet, wenn unverdaute Kohlenhydrate in den Dickdarm gelangen und Bakterien sie dort von Bakterien abbauen. Zu diesen gasbildenden Stoffen gehören bestimmte Zucker und Stärke (alle Getreide bis auf Reis) und Ballaststoffe.

Bestimmte Personen reagieren empfindlich und leiden unter Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Übelkeit mit Durchfällen oder Verstopfung. Eine organische Ursache liegt nicht vor. Diese Beschwerden fasst die Medizin unter dem Begriff „Reizdarm“ (= funktionelle Dyspepsie) zusammen.

Blähungen und Bauchschmerzen treten im Zusammenhang mit eingenommenen Abführmitteln auf, insbesondere wenn die Dosierung zu hoch ausfällt. Der Zuckeraustauschstoff Sorbitol steckt in vielen zuckerfreien Getränken oder Süßigkeiten. In größeren Mengen genossen führt er zu Durchfällen und Blähungen.

Medikamentöse Maßnahmen

Arzneimittel mit dem Wirkstoff Simethicon erleichtern den Abgang von Gasen indem sie Schaumbildung im Verdauungstrakt verhindern. Die Anwendung während Schwangerschaft, Stillzeit und im Kindesalter ist unbedenklich.

Bei gleichzeitig bestehendem saurem Aufstoßen erweist sich die Kombination mit einem Antacidum als sinnvoll. Personen mit Reizdarm und Sodbrennen sprechen oft gut auf die Gabe von H2-Antihistaminika (bei Sodbrennen) an.

Zäpfchen oder Tabletten mit Butylscopolamin wirken krampflösend und helfen bei krampfartigen Schmerzen. Ätherische Öle, z.B. aus Kümmel, Pfefferminze, Fenchel, wirken „blähungstreibend„. Pflanzliche Bittermittel (Tausendgüldenkraut, Enzian usw.) unterstützen den Verdauungstrakt bei der Arbeit.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Essen Sie langsam und kauen sie die Nahrung gut. Dadurch schlucken wir weniger Luft und die Nahrung wird leichter.
  • Vermeiden Sie Stress und Aufregung.
  • Meiden Sie kohlensäurehaltige Getränke.
  • Verzichen Sie auf blähende Speisen wie Kohl, Hülsenfrüchte und Zwiebeln.
  • Schränken Sie den Verzehr von zuckerfreien Getränken oder Süßigkeiten (enthalten häufig Sorbitol) ein.

Wann ist ärztliche Hilfe nötig?

  • Wenn Säuglinge oder Kinder betroffen sind
  • Während der Schwangerschaft
  • Bei anhaltenden, immer wieder kehrenden oder starken Beschwerden
  • Bei gleichzeitig auftretendem Fieber

Einen Arztbesuch schließt andere Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden wie z.B. Entzündung der Scheide (s. Scheidenpilz), sexuell übertragbare Krankheiten, Prostatitis, Nierensteine, Tuberkulose u.a. aus.

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RWG Redaktion

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