Wissenschaftler sind Blasenkeimen auf der Spur

Joghurt stärkt das Immunsytem.

Blaseninfektionen beginnen meist mit schmerzendem Brennen beim Wasserlassen. In 80 Prozent der Fälle verläuft die akute Zystitis unproblematisch und kann mit einfachen Hausmitteln wie Blasentees behoben werden.

Bei 20 Prozent der Fälle tritt jedoch immer wieder eine Blasenentzündung auf, mindestens zwei bis dreimal pro Jahr, Experten sprechen von chronisch rezidivierender Zystitis. Wissenschaftler glauben jetzt eine Erklärung gefunden zu haben, warum sie so hartnäckig sind.

Die weibliche Anatomie erhöht das Risiko

5216-1Infektionen der unteren Harnwege betreffen vor allem junge Frauen: 25 bis 35 Prozent zwischen 20 und 40 Jahren sind davon regelmäßig betroffen. In den meisten Fällen sind Verkühlung („Kaltfußzystitis“) oder mangelnde Hygiene die Ursachen: Die weibliche Harnröhre ist nämlich kürzer als die männliche und ermöglicht so möglichen Keimen einen schnellen Zugang.

Bakterielle Entzündungen werden bis zu 90 Prozent durch Escherichia coli ausgelöst, die auch im Darm vorkommen. Weil der Weg zwischen Genitalbereich und Analregion bei Frauen sehr kurz ist, begünstigt mangelnde Hygiene das Auftreten von Schmierinfektionen.

Trick der Blasenkeime täuscht das Immunsystem

Wissenschaftler der Wisconsin School of Medicine haben jetzt unter dem Mikroskop spiegeleier-ähnliche Gebilde in infizierten Blasenzellen von Mäusen gefunden. Die Keime schützen sich in einem kapselartigen Netz aus Zuckermolekülen gegen die Verteidigungsmechanismen des Immunsystems.

Die Abwehrmechanismen, aber auch Antibiotika können die Keime nicht aufspüren und die Bakterien werden regelmäßig aus ihren Spiegeleier-Häusern in die Blase gespült und vermehren sich dort stärker, wenn unser Körper z. B. durch Kälte geschwächt ist. Eine mögliche Erklärung, warum die Infektion bei manchen Patienten immer wieder kommt, aber bisher ist das nur eine Vermutung.

Antibiotika machen Bakterien widerstandsfähiger

In den meisten Arztpraxen kommt der Griff zu Antibiotika recht schnell – das ist bei einer schweren Erkrankung auch richtig. Einfache Harnwegsentzündungen können jedoch selbst behandelt werden. Wer damit rechtzeitig beginnt, kann die Entzündung mit natürlichen Mitteln gut kurieren. Bei vielen Frauen kommt es leicht zu immer wiederkehrenden chronischen Harnwegsinfekten. Insbesondere dann sollte nach Alternativen gesucht werden, denn Krankheitskeime werden leicht resistent gegen Antibiotika.

Die Ursache für eine chronische Blasenentzündung kann z. B. eine Abwehrschwäche oder eine gestörte Bakterienflora im Bereich der Genitalorgane und Harnwege sein. Einige Patienten profitieren von homöopathischen Mitteln, wie Atropa belladonna, Pulsatilla pratensis oder Berberis vulgaris.

Häufig begünstigt eine gestörte Bakterienflora des Darms oder/und der Vagina das Entstehen von Harnwegsinfekten: Dann kann eine mikrobiologische Therapie mit Enterokokken und Laktobazillen sinnvoll sein.

Hausputz in den Harnwegen

Putzen ist mit viel Wasser verbunden – egal, ob es sich um die Wohnung oder die Blase handelt: Denn die beste Vorbeugung gegen Blasenentzündungen ist sehr viel zu trinken, um die Blase zu durchspülen – mindestens 2,5 bis 3 Liter am Tag.

Bärentraubenblätter töten Blasenkeime

Bärentraubenblätter (auch Harnkraut oder Blasenkraut genannt) sind das beste natürliche Harnwegsantiseptikum. Aus dem Hauptinhaltsstoff – dem Arbutin – wird im Harn das eigentlich desinfizierende Hydrochinon freigesetzt. Unter alkalischen Bedingungen erfolgt diese Freisetzung effektiver.

Zusätzlich ist daher eine überwiegend vegetarische Ernährung günstig (viel Gemüse, Salat, Obst und Nüsse), da sie den Harn alkalischer macht. Ein hoher Gerbstoffgehalt in den Bärentraubenblättern behindert außerdem das Anhaften der Bakterien in den Harnwegen. Bärentraubenblätter Filmtabletten (aus der Apotheke) sind eine natürliche Alternative. Bei Fieber oder Blut im Urin sollte jedoch unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Yoghurt mit Beeren – die ideale Mahlzeit für Blasenempfindliche

In einer aktuellen Befragung von 139 Frauen an einer finnischen Universität stellte sich heraus, dass Frauen, die viel frische Säfte und fermentierte Milchprodukte konsumieren, seltener an Harnwegsinfektionen leiden. Besonders der häufige Verzehr von Beerensäften (z. B. aus Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Preiselbeeren) scheinen einen schützenden Effekt auf die Harnwege zu entfalten.

Vermutlich sind die in Beeren reichlich enthaltenen Flavonole, besonders das Epicatechin, für die positive Wirkung verantwortlich. Als hilfreich erwiesen sich außerdem fermentierte Milchprodukte, wie Yoghurt. Die in diesen Produkten enthaltenen Milchsäurebakterien sind wahrscheinlich die Wohltäter, denn reine Milch zeigte sich wirkungslos. Sie vermögen krankheitserregende Bakterien im Darm zu ersetzen, die sich häufig auf die Harnwege ausbreiten und hier ihr Unwesen treiben.

Quelle: Elisabeth Wiesinger

Foto Artikel: Arctuvan

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