Nierensteine: Sieben wichtige Fakten

Nierensteine können sehr schmerzhaft werden.

Sie haben sich in den letzten 20 Jahren zur neuen Wohlstandskrankheit entwickelt: Nierensteine. Der Urologe Andreas W. Schneider erläutert, warum immer mehr Frauen und Männer betroffen sind, was jeder vorbeugend tun kann und mit welcher Technik Nierensteine heute entfernt werden.

  1. Wie kommt es, dass sich Nierensteine bilden?

Eine der wichtigen Aufgaben der Nieren ist es, Schadstoffe auszufiltern. Dadurch entstehen Stoffwechsel-Restprodukte, die sich normalerweise in der Harnflüssigkeit auflösen. Fallen zu viele davon an, steigt ihre Konzentration. Sie können erst einmal Kristalle bilden, die aber im Lauf der Zeit wachsen und einen oder mehrere Steine bilden.

  1. Wer bekommt besonders häufig Nierensteine?

Etwa zehn Prozent aller Menschen zwischen 40 und 50 haben Nierensteine – Männer etwa drei Mal so häufig wie Frauen. Besonders gefährdet ist, wer schon mehrere Harnwegsinfektionen hinter sich hat, unter Fehlbildungen der Harnwege leidet – und zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt.

  1. Wie machen sich Nierensteine bemerkbar?

Sie verursachen nur dann  Beschwerden, wenn sie aus der Niere in den Harnleiter wandern. Möglich ist das aber nur bei kleinen Steinen. Bleiben sie dort stecken, kommt es zu Nierenkoliken. Typische Symptome:

  • Es geht deutlich weniger Harn als früher ab.
  • Es kommt, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, zu stechenden, krampfartigen und wellenförmig auftretenden Schmerzen im seitlichen Unterbauch und im unteren Rücken.
  • Häufig ist im Urin Blut zu sehen, weil abgehende Steinchen die Schleimhäute der Harnwege verletzen.

Von chronischen Nierensteinen spricht man, wenn sie in den Nieren bleiben. Oft bleibt das unbemerkt, nur manchmal ist ein dumpfer Druck in der Nierengegend zu spüren. Folge von chronischen Nierensteinen können Entzündungen der Harnwege sein sowie zerstörtes Nierengewebe

  1. Welche verschiedenen Arten von Steinen gibt es?

Die Mediziner unterscheiden drei verschiedene Arten:

  • Kalziumoxalatsteine sind am häufigsten. Die Hauptursache: zu wenig Flüssigkeit.
  • Harnsäuresteine sind am zweithäufigsten. Wichtigste Ursachen: zu viel Fleisch und Alkohol. Besondere Gefahr besteht bei Gicht. Durch das Umstellen der Ernährung und durch spezielle Medikamente lässt sich die Steinbildung jedoch manchmal noch verhindern.
  • Phosphatsteine treten in rund zwölf Prozent aller Fälle auf. Verantwortlich sind bakterielle Entzündungen, die den pH-Wert des Harns auf über 7 ansteigen lassen – dann lösen sich die Phosphat-Salze im Harn nicht mehr auf.
  1. Warum tun Nierensteine lange nicht weh?

Sehr kleine Steine behindern das Organ nicht. Das ändert sich erst, wenn sie größer werden oder in den Harnleiter gelangen.

  1. Wie werden Nierensteine festgestellt?

Bei einem Verdacht (also bei entsprechenden Beschwerden) zum Urologen! Er hat für die genauere Diagnose mehrere Möglichkeiten:

  • Urinuntersuchung auf eine Infektion und auf Blut.
  • Röntgenuntersuchung der Nieren und der Harnwege, auch mit Ultraschall.
  • Computer-Tomographie.
  1. Wie werden Nierensteine heute behandelt?

  • 80 Prozent gehen von allein ab – sie werden also durch viel Trinken ausgespült. Um Beschwerden zu lindern, gibt es schmerzstillende und krampflösende Mittel.
  • Harnsäuresteine können manchmal auch durch spezielle Medikamente aufgelöst werden (Litholyse).
  • Seit etwa zwanzig Jahren hat sich die Zertrümmerung der Nierensteine bewährt (Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, siehe unten). Sie ist  nur möglich, wenn der Stein durch Röntgen oder Ultraschall gut erkennbar ist.

Bei Steinen mit mehr als zwei Zentimetern Durchmesser helfen zusätzliche Maßnahmen. So kann der Stein bei einer endoskopischen Nierenspiegelung teilweise zerlegt und entfernt werden. Unter Betäubung wird dabei ein Kanal in das Nierenbecken gelegt, der Stein mit einer Zange geknackt, die Teile mit Ultraschall zertrümmert und abgesaugt. Möglich ist auch ein endoskopischer Eingriff durch die Harnröhre, mit dem im Harnleiter steckende Steine entfernt werden. Nur selten ist eine größere Operation nötig.

Wunderwerk Nieren: 150 Liter am Tag

Die Nieren sitzen links und rechts neben der Wirbelsäule in Höhe des Rippenbogens. Sie sind bohnenförmig, von bräunlicher Farbe, etwa elf Zentimeter lang, sechs Zentimeter breit, 2,5 Zentimeter dick und je 150 bis 200 Gramm schwer. Sie haben mehrere Aufgaben:

  • Ausscheiden von Giftstoffen
  • Regulierung des Wasserhaushalts
  • Steuerung des Blutdrucks
  • Hormonproduktion

Rund 150 Liter Wasser (der so genannte Primär-Harn) fließen täglich durch die Nieren. Durch einen komplizierten weiteren Stoffwechselprozess wird hieraus schließlich etwa ein Prozent als Urin über die Harnleiter in die Blase transportiert und über die Harnröhre ausgeschieden.

Nierensteinen vorbeugen!

  • Die Nieren funktionieren nur, wenn genügend Flüssigkeit zur Verfügung steht: 2 bis 2 1/2 Liter sind am Tag nötig – mit zunehmendem Alter eher mehr.
  • Am besten sind Mineralwasser, verdünnte Fruchtsäfte, Schorlen und Kräutertee. Wichtig: Alkohol nur in Maßen, weil er den Organismus zusätzlich entwässert.
  • Das Trinken über den ganzen Tag verteilen: Passiert das nicht, kann sich das Verhältnis von Harn (zu wenig) und den gelösten Abfallstoffen (zu viel) negativ verändern.
  • Wer Probleme beim Wasserlassen oder mit der Blase hat: immer gleich zum Arzt!
  • Nicht zu viel Fleisch, weil dadurch Harnstoff produziert wird, der die Nieren sehr belasten kann.
  • Mit Salz sehr sparsam sein: Nicht mehr als 5 bis 6 Gramm am Tag.

Faszinierende Technik: So werden Nierensteine heute zertrümmert

Jeder weiß, was geschieht, wenn man mit einem Hammer auf einen Ziegelstein schlägt: Der Stein zerbricht. Verantwortlich dafür ist die Stoßwelle, die sich mit dem Schlag durch den ganzen Stein fortsetzt. Beim Zertrümmern von Nierensteinen ist der „Hammer“ ein Gerät, das mit Hilfe von Elektrizität Stoßwellen erzeugt.

Diese Wellen sind aber so beschaffen, dass sie durch weiches Gewebe hindurchgehen. Harte Gegenstände (wie Nierensteine) „saugen“ diese Stöße jedoch auf. Folge: Der Stein zerbricht. Die Stöße werden (unter Ultraschall) über ein Wasserkissen oder ein auf die Haut aufgetragenes Gel in den Körper eingeleitet.

 Foto: © SENTELLO – Fotolia.com

RWG Redaktion

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