Makuladegeneration – Hilfsmittel für eine bessere Sicht

Ein Augenarzt reicht seinem Patienten eine Brille

Zwei Millionen Menschen leiden in Deutschland unter der altersbedingten Makuladegeneration. Sie tritt gehäuft ab dem 50. Lebensjahr auf. Über Hilfsmittel wie Bildschirmlesegeräte und Fernrohrlupenbrillen für diese Menschen sprach die »Neue Apotheken Illustrierte« mit dem Augenoptikermeister Clemens Montkau aus Bad Soden im Taunus.

Warum reichen im fortgeschrittenem Stadium der Makuladegeneration herkömmliche Brillen nicht aus?

Herkömmliche Brillen und Kontaktlinsen eignen sich nur dafür, einen normalen Sehfehler zu korrigieren. Anders sieht es bei Krankheiten wie der Makuladegeneration aus. Hier benötigen Patienten zusätzlich eine Vergrößerung, um fernsehen oder lesen zu können.

Welche Hilfsmittel bieten sich an?

Ich beginne zunächst mit einer verstärkten Lesebrille, dann kommt eine Lupe, die es auch in elektronischer Form mit einem kleinen Bildschirm gibt. Sie vergrößern um bis das Achtfache.

Welche Möglichkeiten haben Betroffene?

Hier bieten sich Fernrohrlupen- und Prismenlupenbrillen an. Sie setzen sie wie eine herkömmliche Brille auf. Sie besitzen eine zusätzliche Optik, die wie ein kleines Fernrohr aussieht und auf das Zwölf- bis Zwanzigfache vergrößert. Allerdings müssen wir den Sehabstand auf einen halben Zentimeter genau einhalten, um scharf zu sehen. Je höher die Vergrößerung, desto genauer.

Als letzte Stufe kommen Bildschirmlesegeräte in Frage. Sie vergrößern als Kassengerät bis 40 mal, als Sonderanfertigung bis um den Faktor einhundert. Bei diesem extremen Wert benötigen wir einen entsprechend großen Bildschirm, um die riesigen Buchstaben darzustellen.

Welche Hilfsmittel empfehlen Sie für unterwegs?

Es gibt Taschenlupen mit Licht. Mit ihnen können Sie im Supermarkt einen Preis oder das Verfallsdatum lesen. Sie eignen sich nur für kurzzeitiges Lesen.

Viele Patienten mit einer Makuladegeneration reagieren empfindlich auf Blendungen.

Das stimmt. Ihnen hilft der speziell geschulte Augenoptiker. Entweder mit herkömmlichen Blendschutzgläsern oder mit so genannten Kantenfiltergläsern. Sie blockieren einige oder den gesamten Bereich des blauen Lichtes. Er verursacht einen großen Teil der Blendungen.

An wen wenden sich Menschen mit Makuladegeneration?

Manche Optiker sagen voreilig: »Für Sie gibt es keine Brille.« Dabei helfen speziell geschulte Augenoptiker fast allen Patienten mit einer Makuladegeneration. In Deutschland arbeiten 500 dieser anerkannten Fachberater für Sehbehinderte. Sie besitzen nicht nur die fachliche Ausbildung, sondern auch die entsprechende Ausstattung.

Was bezahlen die Krankenkassen?

Die Krankenkassen stellen bei Bedarf ein Bildschirmlesegerät. Bei Sonderanfertigungen wie Fernrohrlupen- oder Prismenlupenbrillen übernehmen sie einen großen Teil der Kosten. Kantenfilterbrillen bezahlen die Kassen bei der Diagnose Makuladegeneration in der Regel nicht. Nur bei normalen Blendschutzgläsern übernehmen sie einen kleinen Zuschuss.

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RWG Redaktion

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