Ohne Angst zum Zahnarzt

Eine attraktive Zahnärztin behandelt einen Patienten

Das Herz rast, die Knie schlottern, Schweiß rinnt aus jeder Pore – Symptome einer Panikreaktion. Bei 10 von 100 Menschen spielt der Körper verrückt, wenn ein Besuch beim Zahnarzt ansteht. Doch die Oralophobie, von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingestuft, ist heilbar.

Um der Panik auszuweichen, meiden Betroffene Besuche beim Zahnarzt wie der Teufel das Weihwasser und steigern damit über ein oft regelrecht verfaultes Gebiss das Risiko für organische Krankheiten. Menschen mit einer chronischen Entzündung des Zahnbettes erleiden neunmal häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als zahngesunde Menschen.

Die Angst hat ihre Gründe

Die Oralophobie erschwert auch soziale Kontakte, denn ein unansehnliches Gebiss nimmt einem Menschen einen Teil seiner positiven Ausstrahlung. Betroffene ziehen sich zurück, um ihre Zähne zu verbergen. Tabletten und Alkohol kommen bei Schmerzen zum Einsatz. Bei einem Eingriff am eigenen Körper mit einer gewissen Furcht zu reagieren, hat entwicklungsgeschichtlich betrachtet durchaus seinen Sinn, schützt sie doch vor Leichtsinn und so vor vermeidbaren Verletzungen.

Doch während eine gesunde Angst den Menschen schützen soll, schadet ihm Panik, weil sie handlungsunfähig macht. Für die Ursachen von Oralophobie existieren verschiedene Erklärungen. So zum Beispiel ein schmerzhaftes Erlebnis bei einer zurückliegenden Zahnbehandlung, Berichte über »fürchterliche« Zahnarztbesuche oder seelische Verletzungen in früher Kindheit.

Vertrauen fassen

Um die Panik in den Griff zu bekommen oder gar zu überwinden, setzt man heute vor allem auf Verhaltenstherapie, tiefenpsycholgische Ansätze, auf Hypnose oder – selten – auf eine Behandlung unter Vollnarkose. Doch um das Leiden zu kurieren, müssen Betroffene sich und anderen zunächst eingestehen, dass sie darunter leiden.

Das geht nur, wenn man Vertrauen fasst – sei es zu einem Zahnarzt oder zunächst zu einem Freund oder Verwandten. Im ersten Schritt heißt es deshalb, sich einen Zahnarzt suchen, der die eigenen Ängste ernst nimmt, sie nicht herunterspielt und weiß, wie sich Panik bewältigen lässt.
Zahnärzte, die besonders auf den Umgang mit Panikpatienten und auf deren seelische Not geschult sind, nennt zum Beispiel die Bundeszahnärztekammer, Chaussestraße 13, 10115 Berlin, Telefon: 030 40005150.

Im Rahmen einer Verhaltenstherapie wird der Betroffene dann langsam mit der die Panik auslösenden Situation konfrontiert. Am Anfang genügt es zum Beispiel, die Praxis einfach nur zu betreten. Später lernt er, sich auf den Behandlungsstuhl zu setzen und den Zahnarzt in den Mund schauen zu lassen. Die Therapie kommt am häufigsten gegen Phobien zum Einsatz und zeichnet sich durch eine hohe Erfolgsquote aus.

Tiefenpsychologischer Ansatz

Bringt sie nicht den gewünschten Erfolg, kommt der tiefenpsychologische Ansatz zum tragen, mit dessen Hilfe ein gesundes Urvertrauen zurückerlangt werden soll, das es ermöglicht, sich dem Zahnarzt gewissermaßen »auszuliefern«. Dieses Urvertrauen braucht auch, wer sich in Trance versetzen, also hypnotisieren lassen möchte. Diesen entspannten Zustand kann ein entsprechend ausgebildeter Zahnarzt einleiten oder der Patient selbst nach einiger Übung. Die Selbstkontrolle bleibt in der Trance erhalten.

In Einzelfällen Vollnarkose

Bei Menschen, denen die zuvor genannten Methoden nicht helfen, kommen gut verträgliche Beruhigungsmittel oder eine Vollnarkose zum Einsatz. Nachteil beider Methoden: Zwar ist der Patient während der Behandlung ruhig, doch seine Phobie bleibt. Zudem machen umfangreiche Gebiss-Sanierungen oft mehrere Vollnarkosen nötig, so dass Nutzen und Risiken im Vorfeld sorgfältig abzuwägen sind.

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RWG Redaktion

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