Nichts geht mehr: CFS

CFS wird oft von seinen erschöpften Betroffenen nicht erkannt.

Urplötzlich haben Sie nur noch einen Bruchteil Ihrer Energie. Es entwickelt sich eine absurde, geistige und körperliche Erschöpfung. Kleinste Aktivitäten des Alltags werden zur Qual und können nicht durchgeführt werden.

Das Mysteriöse daran ist: Es gibt keine eindeutige Erklärung für dieses Krankheitsbild. Ärzte bezeichnen es als „Chronisches Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom“. Die Abkürzung CFS leitet sich vom englischen Fachbegriff Chronic Fatigue Syndrome ab.

Syndrom mit höchster Priorität

Das CFS ist nach wie vor rätselhaft und nicht unumstritten. Ursachen und Krankheitsmechanismus sind bislang nicht bekannt. Als mögliche Auslöser kommen Viren, hormonelle Fehlfunktionen, Stress und Umweltgifte in Frage. Beweisende Untersuchungen hierzu existieren nicht.

Es gibt keine gesicherten Angaben darüber, wie viele Menschen das CFS betrifft. Das Bundesgesundheitsministerium geht von einer Million erkrankter Menschen aus. Das amerikanische Center of Disease Control and Prevention (CDC) beziffert die Häufigkeit mit 410 Fällen pro 100.000. In den USA gilt das CFS als gravierende Krankheit.

Das Leben ist nur noch zum Gähnen

CFS-Kranke berichten von einer schweren, anhaltenden oder wiederkehrenden Erschöpfung über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Die Erschöpfung führt zu einer gravierenden Leistungsminderung: Normale Aktivitäten sind um mindestens 50 % reduziert. Ein normales Leben ist nicht möglich. Auch in Ruhephasen ist die Symptomatik ausgeprägt. Viele Patienten verlassen das Haus nicht und sind bettlägerig.

Müdigkeit und Erschöpfung bilden nicht die einzigen Merkmale. Es handelt sich bei CFS um einen Beschwerdekomplex mit weiteren, unterschiedlichen Symptome. Die Erkrankung beginnt wie eine Grippe mit Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie schmerzhaften Lymphknoten. Manche Patienten leiden an Fieber, Schwindel, Benommenheit und Sehstörungen.

Störungen der Konzentration

Hinzu kommen andere Symptome wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Depressionen und Allergien. Ausreichend Schlaf bringt keine Erholung. Fast immer tritt das CFS schlagartig auf. In selteneren Fällen kommt es zu einer schleichenden Verschlechterung des Allgemeinzustandes.

Die beobachteten Beschwerden sind unspezifisch und passen zu verschiedenen Krankheiten bzw. Störungen. Das führt zu Problemen bei der Befunderhebung. Es erkranken Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren; Frauen sind häufiger als Männer davon betroffen. Auffällig ist, dass sich unter den CFS-Patienten besonders viele Personen befinden, die im medizinischen Sektor oder als Lehrer tätig sind – jedenfalls in Grossbritannien.

Krank sein, ohne krank zu wirken

Die Erkrankung CFS ist weder den Betroffenen noch deren Umfeld sowie vielen Medizinern bekannt. Nach außen hin wirken CFS-Patienten dstabil und sehen nicht krank aus. Das gilt auch für die akuten Stadien der Erkrankung. Diese nicht sichtbare Schwäche führt dazu, dass sie nicht ernst genommen werden. Ihre Mitmenschen speisen Sie mit Phrasen wie „Reiß’ dich zusammen“ ab. Familie, Freunde und Ärzte zeigen nur anfänglich Mitgefühl.

Mit zunehmenden Einschränkungen im Alltagsleben sehen wir CFS-Kranke oft als unmotiviert, seelisch krank und als Hypochonder an. Die Folge: Familie und Freunde ziehen sich zurück. Möglicherweise geht die Beziehung zum Partner zu Bruch.

Wachsende Spannungen im Berufsleben

Nicht nur im privaten Bereich treten Probleme auf. Aufgrund der starken Erschöpfung kommt es im Beruf zu erheblichen Spannungen. Das reduzierte Leistungsvermögen führt zu Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten und Kollegen. Die Scham über das nicht mehr zu bewältigende Arbeitspensum und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes potenzieren die Belastungen. Das verschlimmert die ohnehin verzweifelte Situation.

In der Schulmedizin ist das CFS häufig nicht bekannt, da es wissenschaftlich nicht klar definiert ist; es findet sich keine Erklärung für die schlechte Verfassung, die für eine „Modeerscheinung“ gehalten wird. Hinzu kommt, dass die Umwelt aus Unwissenheit mit Skepsis und Unverständnis reagiert. Die Betroffenen geraten zunehmend in eine soziale Isolation und über Nacht in eine existentielle Krise. CFS hat neben den psychischen und sozialen Folgen demzufolge materielle Konsequenzen.

Leben mit CFS

Es existieren keine beweisenden Tests, mit denen Ärzte das CFS eindeutig diagnostizieren. Der Befund „CFS“ erfolgt anhand der ausführlichen Krankengeschichte, einer gründlichen Untersuchung und Ausschluss anderer Erkrankungen. Genauso schwierig wie die Diagnose gestaltet sich die Behandlung. Bislang gibt es keine pharmakologische Therapie. Meist kommen Medikamente zur Behandlung der Begleitsymptome zum Einsatz.

Dazu zählen Arzneimittel gegen Schmerzen und Fieber sowie Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen und Depressionen. Beim CFS-Erkrankten liegt bei normaler Ernährung ein Mangel an Mikronährstoffen und Spurenelementen vor. Ärzte raten CFS-Patienten wird deshalb, Vitamin- und Mineralstoffdefizite auszugleichen und sich ausgewogen zu ernähren.

Ansätze zur Therapie

Untersuchungen berichten über die erfolgreiche Verwendung von essentiellen Fettsäuren, Coenzym Q10, Selen und Kräuterblut-Eisensäften. Gehen Sie gezielt und nicht nach dem Motto „Viel hilft viel“ vor. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen haben sich als hilfreich erwiesen. Sie nehmen dem CFS die zentrale Bedeutung im Leben der Patienten. Die Patienten lernen, mit ihrer Erkrankung zu leben.

Über Jahre bessert sich das Krankheitsbild langsam, wobei sich Rückfälle und Erholungsphasen abwechseln. Forscher gehen davon aus, dass sich 35 % der Betroffenen langsam, aber stetig erholen. Bei 40 % ist ein wechselhafter Verlauf gegeben, während 20 % der CFS-Patienten schwerwiegend eingeschränkt bleiben. Bei 5 % kommt es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung.

Quelle: Martina Hartmann

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RWG Redaktion

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