Bei Arzneimitteln den Überblick behalten

Eine Reihe verschiedener Arzneimittel

Je älter ein Mensch, desto mehr Arzneimittel nimmt er ein, besagt die Statistik. Doch dies erhöht ebenso das Risiko unerwünschter Wechselwirkungen. Darauf wiesen jetzt Experten auf einem Kongress in Berlin hin.

Mehr Krankheiten im Alter

»Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an mehreren Krankheiten zu leiden«, berichtete Dr. Hans Harjung, niedergelassener Internist aus Griesheim, auf dem 31. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Berlin. Etwa die Hälfte aller Patienten über 65 Jahre hat heutzutage wenigstens drei chronische Krankheiten, ein Fünftel mindestens fünf Erkrankungen.

Dies bedeutet in der Regel, dass die Ärzte ihnen mehr Medikamente verschreiben. »Und damit steigt auch das Risiko für unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen«, erklärte Harjung. Dies können eher harmlose Dinge wie Übelkeit oder Völlegefühl sein. Es kann jedoch ebenso zu schwerwiegenderen Folgen wie Herz- oder Leberproblemen kommen.

Etwa drei Medikamente pro Tag

Darüber hinaus bestätigt die Statistik: Im Durchschnitt werde laut dem Griesheimer Kassenarzt jeder gesetzlich Versicherte über 60 Jahren täglich mit 2,6 Arzneimitteln behandelt. Patienten zwischen dem 80. und 84. Lebensjahr sogar mit 3,3 Medikamenten.

Nicht nur die Menge, auch die Masse macht es. »Bei der Arzneitherapie im Alter werden häufig zu hohe Dosen eingesetzt«, warnte der Berliner Pharmakologe Professor Dr. Müller-Oerlinghausen. Denn bei älteren Patienten nimmt die Nieren- und Leberfunktion ab, was den Abbau von Arzneistoffen erschwert.

»Unerwünschte Arzneimittelwirkungen betreffen alte Menschen häufiger als junge«, bestätigte Professor Dr. Petra A. Thürmann vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie der Universität Witten/Herdecke. Das liege nicht nur daran, dass Leber oder Nieren von älteren Patienten die Wirkstoffe nicht mehr so gut abbauen. Ihr Organismus reagiere auf die Arzneimittel zum Teil empfindlicher.

Komplikationen führten sogar dazu, dass die Patienten in die Klinik müssen. »Hier nehmen Herz-Kreislauf-Medikamente und Antidiabetika eine führende Rolle ein«, so Thürmann. Bei Heimbewohnern sind es vor allem Neuroleptika, die zu einem Klinikaufenthalt führen. Sie kommen bei psychischen Erkrankungen zum Einsatz.

Schwierige Situation in Altenheimen

Den Spitzenplatz unter den Patienten, die Arzneimittel benötigen, belegen Menschen in Altenheimen. »Sie nehmen im Mittel 7,6 verschiedene Medikamente täglich ein«, erläuterte Thürmann. Durchschnittlich kämpft jeder zehnte Heimbewohner einmal im Monat mit den Wechselwirkungen seiner Arzneimittel.

»Etwa 40 Prozent hiervon wären vermeidbar«, glaubt die Arzneimittelexpertin, beispielsweise mit Hilfe einer computergestützten Verordnung. Dabei warnt eine spezielle Software, wenn bedenkliche Arzneistoffe zusammentreffen.

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RWG Redaktion

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