Starker Rücken: Aktiv vorbeugen, modern behandeln

Nordic Walking im Herbstwald

Krank nach dem Urlaub wegen Rückenschmerzen? Wer will sich das schon leisten. Also lieber Strandliege statt Strandlauf, sagen sich viele Urlauber. Und überhaupt: Haben nicht so manche deutschen Spitzensportler später massive orthopädische Probleme?

»Falsch«, sagen Experten wie der Leiter des Sportmedizinischen Institutes in Frankfurt, Dr. med. Heinz Lohrer: »Man kann den Spieß sogar umdrehen und sagen, dass Sport in Maßen vor Rückenproblemen schützt«.

Sport im Urlaub

Viele Urlaubshotels locken mit spannenden Spiel- und Sportangeboten: Endlich mal wieder das Tennisspielen auffrischen, Joggen am Strand oder einen Golfschnupperkurs machen. Was ist davon zu halten? Der Urlaub kann eine prima Gelegenheit sein, etwas Neues zu beginnen und/oder ein paar Pfunde zu verlieren – zumindest die, die das leckere abendliche Buffet ohne Sport zusätzlich auf die Hüften packen würde. Erholung muss aktiv beginnen.

Das sagt zum Beispiel Professor Dr. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln. Passives Liegen am Strand stresst den Körper zusätzlich. Allerdings: Wer zu Hause gar keinen Sport macht, kann nicht alles nachholen, was er im übrigen Jahr versäumt. Deshalb gilt als Regel Nummer eins: Verführen lassen zu Sport, Spiel und Spaß ja, aber nicht über die eigene Leistungsfähigkeit hinaus. Und immer wieder tageweise Pausen einlegen.

Expertenrat: Welche Aktivitäten den Rücken stützen

Welcher Sport ist denn nun für den »Otto Normalverbraucher« grundsätzlich gut und weitgehend gefahrlos für den Rücken, im Urlaub und zu Hause? Das fragten wir den Leiter des Sportmedizinischen Institutes in Frankfurt, Dr. med. Heinz Lohrer. »Sportarten, die die Wirbelsäule nicht belasten sind zum Beispiel Radfahren und Schwimmen, Tanzen und Skilanglaufen. Unter dem Motto, die Bandscheibe lebt von der Bewegung, unterstützen sie eine kontrollierte Beanspruchung der Wirbelsäule.

Der Laufsport und das Nordic-Walking gehören sicherlich auch zu den Sportarten, die dem Rücken eher nützen als schaden, und natürlich alles, was man im Sportstudio betreiben kann«. Auf die Frage, von welchem Sport er wegen der Rückenbelastung abraten würde, antwortet er nicht ganz so entschieden.

Denn das sei altersabhängig. Für einen ungeübten 50- oder 60-Jährigen seien Sprints oder Sprungbelastungen wie beim Volleyball oder Basketball oder auch in der Leichtathletik nicht unbedingt empfehlenswert. Anders in der Jugend, da hätten diese Bewegungsabläufe durchaus trainierende Effekte auf Bandscheiben und Wirbelsäule. Denn je besser diese trainiert sind, desto eher können sie über die Jahre oder Jahrzehnte hinweg ihren Funktionszustand halten.

Also sollten junge Leute nicht dem Rat der Eltern folgen, und ihren Rücken beizeiten verschonen und auf Joggen oder Inline Skaten verzichten? »Nein«, sagt Lohrer, das wäre nun wirklich der falsche Ansatz. Nur wer sich früh übt, profitiert später von einer stabilisierten Rückenmuskulatur und Wirbelsäule.

Osteoporose vorbeugen

Und langfristig gedacht: »Das gilt letzten Endes auch für den Knochenstoffwechsel. Da sind wir bei dem Osteoporoseproblem. Auch die Knochendichte müssen Sie in der Jugend aufbauen«. Apropos Osteoporose: Wer sie erst mal hat, sollte Bewegungen wählen, die die Knochen stabilisieren, aber nicht zu Wirbelbrüchen führen. »Da reicht oft schon Gehen aus, das kleine Vibrationen durch den Körper leitet, die den Knochenstoffwechsel anregen«.

Zwei Drittel aller Deutschen über 14 Jahren litt in den letzten zwölf Monaten unter Rückenbeschwerden. Anders gesagt: Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland erwischt es gelegentlich im Kreuz. Schaut man nur auf die über 30-jährigen, so leidet jeder Zweite unter Rückenproblemen. Übereinstimmend führen Orthopäden das auf den inaktiven Lebensstil moderner Menschen zurück.

Nicht immer ein Bandscheibenvorfall

Rückenbeschwerden können ernste Ursachen haben, müssen sie aber nicht. Meist gerät – und das ist zwar schmerzhaft aber harmlos – das feine Zusammenspiel zwischen Wirbelsäule und dem Muskel-Bandapparat aus dem Gleichgewicht. Hievt man sich beispielsweise nach stundenlangem Ausruhen von der Strandliege hoch, verkanten womöglich kleine Wirbelgelenke. Und schon wird die Muskulatur hart.

Gleichzeitig werden dabei die zahlreich von der Wirbelsäule ausgehenden Nerven schmerzhaft gereizt.  Auch der so genannte Hexenschuss ist meist nichts anderes, als eine sehr plötzlich einsetzende Muskelverhärtung, die durch eine falsche Bewegung ausgelöst wird.

Für die meisten Menschen fällt dann die Entscheidung: Schluss mit Sport. Falsch. Bestenfalls in der Akutphase gilt nach modernen Therapierichtlinien Ruhe und Schonung als Mittel der Wahl. Nach zwei bis drei Tagen soll die Muskulatur rückenschonend wieder aufgebaut werden. Wie geht das?

»Die Wirbelsäule an sich ist ein passives Organ. Als aktives Gewebe haben wir nur den Muskel, deswegen geht das nur über die muskuläre Stabilisierung.«  Also das übliche Bauchtraining?

Rückentrainer können alles noch schlimmer machen

Lohrer wehrt ab, spricht ungerne von Bauch- und Rückengymnastik. »Weil die Leute dann den ganzen Tag Sit-ups machen oder diese Rückentrainer benutzen, die zum Teil angeboten werden und sich wundern, wenn es dann schlimmer wird. Weil es bei den Rückentrainern nach meinem Dafürhalten nicht eine einzige Maschine gibt, mit der man den Rücken ordentlich trainieren kann. Wirbelsäulen-schonend gibt es keine gescheite Maschine.«

Also was dann? »Da gibt es eine ganze Reihe von Übungen, die alle aus der Krankengymnastik kommen und mit dem Körpergewicht arbeiten. Wir wollen quasi den kompletten Rumpf um die Wirbelsäule herum so stabilisieren, dass die Wirbelsäule all die Jahre wie eingesperrt ist, wie in einem Korsett. Das sind beispielsweise Übungen an Zuggeräten, die die Wirbelsäule einigermaßen strecken und an denen man mit gebeugten Knien steht. Sie brauchen die Rumpfstabilisation ja nicht im Liegen, sondern im Stehen. Also müssen Sie es auch im Stehen trainieren.« Lohrers Rat: Rückenstabilisierung vom Physiotherapeuten zeigen lassen.

Die innovativste Behandlungs-Methode mit Stoßwelle

In den ersten Stunden und Tagen des akuten Schmerzes empfiehlt Lohrer Ruhe und Wärme. Heißes Wasser, Heiz- oder Körnerkissen, Rotlicht oder Wärme aus dem Pflaster oder einer Salbe. Zusätzlich kann man den Rumpf bandagieren. Also eine ergänzende passive Stabilisierung bevor der empfohlene aktive Muskelaufbau beginnt. Damit sich der Schmerz gar nicht erst ins Schmerzgedächtnis eingräbt, verschreiben Orthopäden in der Regel schmerz- und entzündungshemmende Arzneimittel.

Gute Erfahrungen in der Therapie von Rückenschmerzen hat Lohrer mit Akupunktur und –  neuerdings – mit Stoßwellenbehandlung gemacht. »Der Rücken schmerzt nicht nur in der Tiefe«, so sagt er,  »sondern auch in den so genannten Weichteilen des Rückens. Das heißt, Sie haben eine komplett verspannte Haut und ein verspanntes Unterhautfettgewebe. Das tut oft mehr weh als die Wirbelsäule selbst. «

»Da gibt es bestimmte Punkte, die man traditionell mit Akupunktur oder aber mit der Neuraltherapie, also mit Spritzen in diese so genannten Maximalpunkte hinein, behandeln kann, um dann die Verspannungszustände aufzulösen. Die derzeit innovativste Methode dafür ist die Stoßwelle. Gerade an der Lendenwirbelsäule und am Beckenkamm entlang kann man exzellent mit der Stoßwelle behandeln.« Gegen Tennisarm, Kalkschulter und Achillessehnenprobleme hat die Stoßwelle in den letzten Jahren bereits in viele Orthopädiepraxen Einzug gehalten.

Quelle: Neue Apotheken Illustrierte vom 15. Juli 2005

Foto: © Jacek Chabraszewski – Fotolia.com

RWG Redaktion

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