Immer müde? Denken Sie an Ihre Leber

Lassen Sie sich gegen Hepatitis impfen.

Probleme mit der Leber bekommt doch nur, wer viel Alkohol trinkt- denkt man. Ein Trugschluss! 5 Millionen Deutsche sind betroffen, meist ohne es zu ahnen. Wie man Beschwerden erkennt und was jeder tun kann, um das wichtige Organ gesund zu halten, verrät Prof. Björn Nashan.

Woran merkt man, dass mit der Leber etwas nicht stimmt?

Prof. Nashan: Das Problem ist, dass Lebererkrankungen am Anfang oft keine oder kaum spürbare Beschwerden produzieren, auch weil die Leber selbst keine Schmerznerven besitzt. Deshalb sollte man auf diese Signale des Körpers achten: Die Leistungsfähigkeit lässt nach, man fühlt sich abgeschlagen und möchte nur noch schlafen. Deshalb sagt man auch: Müdigkeit ist der Schmerz der Leber.

Weitere häufige Symptome sind:

  • Juckreiz;
  • Gelbfärbung der Augen, mitunter auch der Haut und Schleimhäute;
  • dunkler Urin;
  • weiß verfärbte Nägel;
  • Hautrötungen und sichtbare Äderchen, die sogenannten Lebersternchen.

Nur selten tritt auch ein leichter Druckschmerz am rechten Oberbauch auf. Wenn man solche Beschwerden hat, was untersucht der Arzt dann?

Prof. Nashan: Jeder Hausarzt sollte standardmäßig auch die Leberwerte im Blut untersuchen. Sind die Werte erhöht, ist das ein erstes Alarmsignal, dem der Arzt mit weiteren Untersuchungen nachgehen muss.

Eine vergrößerte Leber, etwa wegen einer Entzündung durch Hepatitis-Viren, kann er gut ertasten. Mit dem Ultraschall macht er gefährliche Fettablagerungen sichtbar. Um ganz sicherzugehen oder um bei einem Leberkrebs den Tumor exakt zu lokalisieren, lässt er eine Kernspin-Tomografie (MRT) oder eine Computer-Tomografie (CT) durchführen.

Die meisten glauben, Leberprobleme bekommt nur, wer zu viel Alkohol trinkt. Stimmt das?

Prof. Nashan: Aber nein! Bei 50 bis 70 Prozent der Leberkranken gibt es ganz andere Ursachen. Besonders häufig bzw. ernst sindInfektion mit Hepatitis-Viren und die Fettleber.

Andere wichtige Ursachen für Leber-Beschwerden sind

  • eine Autoimmunkrankheit, bei der das eigene Immunsystem die Leber angreift;
  • Medikamente, die der Leber schaden können, z. B. Mittel gegen Diabetes, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen;
  • eine Speicherkrankheit, etwa die Eisenspeicherkrankheit.

Die Fettleber ist eine reine Wohlstandserkrankung, die vor allem Menschen über 55 betrifft. Sie entsteht schlicht und ergreifend durch Überernährung. Die Leber quillt dadurch regelrecht auf. Die Deutsche Leberstiftung schätzt: 75 % der übergewichtigen und 50 % aller Diabetiker haben eine Fettleber.

Sie ist gefährlich, weil im Laufe der Zeit aus der Fettleber eine Schrumpfleber werden kann, eine sogenannte Leberzirrhose. Und daraus kann sich im Endeffekt Leberkrebs entwickeln.

Man schützt sich in erster Linie, indem man auf sein Gewicht achtet! Zu viele Pfunde erhöhen das Risiko für eine Fettleber drastisch. Daher: vitaminreich, gleichzeitig aber kalorien-, alkohol- und fettarm ernähren. Ausreichend Bewegung sorgt zusätzlich dafür, dass man viele Kalorien verbrennt und der Leber-Stoffwechsel angeregt wird. Diabetiker müssen darauf achten, dass ihre Blutzuckerwerte optimal eingestellt sind.

Kann man eine verfettete Leber noch heilen?

Prof. Nashan: Ja, die Leber ist ein dankbares Organ. Lebt man gesund, entwickelt sich selbst eine stark vergrößerte Leber innerhalb weniger Wochen bis Monate auf Normalmaß zurück.

Ist die Erkrankung aber schon so weit fortgeschritten, dass sich eine Zirrhose oder Fibrose (krankhafte Gewebeveränderung) entwickelt hat, sind die Leberzellen irreparabel geschädigt. Dann lässt sich die Krankheit durch eine gesunde Lebensweise zwar noch lange aufhalten. Aber langfristig hilft nur noch eine Leber-Transplantation.

Kann man sonst noch etwas für eine gesunde Leber tun?

Prof. Nashan: Ja! Jeder sollte sich gegen Hepatitis B impfen lassen. Denn damit kann man sich relativ leicht infizieren, nicht nur beim Sex, auch schon durch Speichel. Die Impfung dagegen hat kaum Nebenwirkungen und gewährt Schutz bis zu 15 Jahre.

Auch gegen Hepatitis A kann man sich impfen lassen. Das empfehle ich jedem, der gerne reist und dabei in Länder mit niedrigem Hygienestatus kommt, z. B. in Afrika, Asien, Lateinamerika. Für welche Länder diese Impfung ratsam ist, kann man auch im Internet unter www.crm.de beim Centrum für Reisemedizin nachschauen.

Aber selbst wenn man geimpft ist, gilt in diesen Ländern das Motto: „Koch es, schäl es, brat es oder vergiss es“. Und auch beim Trinkwasser sollte man unbedingt darauf achten, dass es abgekocht oder in versiegelten Flaschen abgefüllt ist.

Warum warnen Sie so eindringlich vor Hepatitis?

Prof. Nashan: Besonders Hepatitis B kann jahrelang im Körper schlummern, ohne dass man Beschwerden hat. Die Betroffenen haben dann eine chronische Entzündung, aus der leider oft Leberkrebs wird. Im Mittelmeerraum und in Asien, wo Hepatitis B sehr weit verbreitet ist, ist Leberzellkarzinom sogar der häufigste Krebs.

Es gibt keine Mittel, die Hepatitis B heilen können. Bestenfalls können wir den Verlauf der Krankheit mit Präparaten kontrollieren. Die Impfung ist deshalb so wichtig!

Was tun Sie selbst, damit Ihre Leber gesund bleibt?

Prof. Nashan: Ich bewege mich viel und halte mich beim Essen zurück, um mein Gewicht zu kontrollieren. Außerdem versuche ich, nicht mehr als an zwei Abenden pro Woche ein Glas Wein zu trinken. Das gelingt mir meistens, aber leider nicht immer.
Quelle: plus Magazin 03/2011

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